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Die Eheschließung des deutschen Frühmittelalters im Lichte der neueren rechtsgeschichtlichen Forschung, Ergebnisse und Ausblicke / von Karl Frölich
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wie Much es will ³⁴), zu legen iſt, muß zunächſt im Kreiſe der philologiſchen Beurteiler ausgetragen werden. Im Hinblick auf die Unklarheiten, zu denen bei der Eheſchließung auch auf dem juriſti⸗ ſchen Felde der Gebrauch lateiniſcher Bezeichnungen für deutſche Wörter Anlaß gegeben hat ss), iſt es vielleicht nicht ohne Nutzen, hier zu erwähnen, daß ſich die deutſche rechtsgeſchichtliche Forſchung ebenfalls mit der Zergliederung und kritiſchen Auswertung des Überſetzungsvorgangs ass ſolchen beſchäftigt hat 86). Und mit Rückſicht auf die Erheblichkeit, welche für die germaniſche Alter⸗ tumskunde die im Umkreiſe des Eheſchließungsvorganges ja beſon⸗ ders wichtigen Rechtsſymbole beſitzen), mag ſchließlich noch hervorgehoben werden, daß in dem rechtsgeſchichtlichen Schrifttum der jüngſten Zeit ebenfalls die Frage nach Herkunft und Bedeutung der Symbole mehrfach in grundſätzlicher Weiſe erörtert iſt 8s).

2. Daß auch die deutſche Literaturgeſchichte aus dem Ertrage der rechtsgeſchichtlichen Forſchung Gewinn zu ziehen vermag, tut beſonders ſinnfällig die Zallinger'ſche Arbeit dar. Aus ihr müßte ſich, wenn ihre Ergebniſſe als zutreffend zu erachten wären, eine völlig veränderte Bewertung der Gudrun als eines Liedes von der hoffenden Treue der Frau, nicht der Braut,

3a) Z2 RG. 45(1925) S. 1, 2.

s5) H. Meyer S. 215 f., 238 Anm. 1, 279 Anm. 3. Wegen des Sprachgebrauchs des Vulgärlateins in den frühmittelalterlichen Quellen ſ. Goldmann, Beitr. S. 37 f., 58 f.

s6) Vgl. Heck, Die Standesgliederung der Sachſen im frühen Mittel⸗ alter(Tübingen 1927) S. 5 Anm. 8, 10; derſelbe, Die Entſtehung der Lex Frisionum(Stuttgart 1927) S. 6 f., 33 f., an beiden Orten mit weiteren Verweiſungen.

87) S. neuerdings Borchling, Rechtsſymbolik im germaniſchen und römiſchen Recht, Vorträge der Bibliothek Warburg III 1923/4(Leipzig und Berlin 1926) S. 227251, insbeſ. 228 f. Zu den Bemerkungen daſ. S. 240 über die Kritik der v. Amira'ſchen Theorie von der Ableitung des ger⸗ maniſchen Stabſymbols aus dem Wanderſtab(ebenſo noch v. Amira, Die Dresdener Bilderhandſchrift des Sachſenſpiegels II 1, Leipzig 1925, S. 95 f., vor allem 107 f.) durch E. Mayer iſt jetzt aufmerkſam zu machen auf F. Beyerle, Der Urſprung der Bürgſchaft. Ein Deutungsverſuch vom ger⸗ maniſchen Rechte her, Z3*RG. 47(1927) S. 567 f., namentlich Anhang II: Der Stab als Wettſymbol(S. 635 f.; Oppikofer(unten Anm. 88) S. 57 Anm. 3; H. Meyer, 32RG. 48 S. 546.

8s) Vgl. Oppikofer, Das Unternehmensrecht in geſchichtlicher, ver⸗ gleichender und rechtspolitiſcher Betrachtung(Tübingen 1927) S. 55 f., 67 f. und den daſ. S. 68 Anm. 1 angeführten Vortrag Franz BeyerlesDas Symbol im Recht, ſowie H. Meyer, 32RG. 48 S. 545 f.