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Die Eheschließung des deutschen Frühmittelalters im Lichte der neueren rechtsgeschichtlichen Forschung, Ergebnisse und Ausblicke / von Karl Frölich
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der weltlichen Trauung des germaniſchen Rechtes 72a) entſpricht. So⸗ dann iſt fördernd bei der Arbeit Abrahams die weitgehende Heranziehung folkloriſtiſcher Quellen und ihre Ausſchöpfung unter rechtlichen Geſichtspunkten, wie ſie namentlich in den Ausführungen über die Formen der Eheſchließung uns begegnet. Was hier vorge⸗ tragen wird über den Handſchlag, über den Kranz, der das der altpolniſchen Eheſchließung im Unterſchied von dem europäiſchen Weſten ihr Gepräge verleihende Rechtsſymbol iſt, über die Braut⸗ geſchenke, über Verbeugungen, über den Brauttrunk als Zeichen der Annahme der Werbung, über die Hochzeitsrute, über das Haarab⸗ ſchneiden(abgeſchwächt als Haarauflöſung) als Sinnbild des Aus⸗ ſcheidens der Braut aus der früheren Rechtsſphäre, über die Be⸗ haubung und die Verſchleierung des Mädchens und andere Vor⸗ gänge teils rechtlicher), teils ſakraler Herkunft, verdient in hohem Grade die Aufmerkſamkeit auch der deutſchen rechtshiſtoriſchen und volkskundlichen Forſchung, für die das Buch Abrahams in ſeiner Verknüpfung juriſtiſcher und folkloriſtiſcher Momente zugleich me⸗ thodiſch von Belang iſt. Mit Recht hebt H. F. Schmid hervor: Die Auswertung volkskundlicher Daten für die rechtshiſtoriſche Er⸗ kenntnis, neuerdings auch in der deutſchen Wiſſenſchaft wieder mit reichem Erfolge gepflegt, iſt in den ſlaviſchen Ländern in weit höhe⸗ rem Maße als ein Bedürfnis der Forſchung empfunden worden, da ſie allein es ermöglicht, die Rechtsentwicklung auch in Gebieten und Zeiträumen zu erfaſſen, aus denen wir infolge der Ungunſt der ge⸗ ſchichtlichen Verhältniſſe Rechtsdenkmäler nicht oder nur in geringer Zahl beſitzen 7⁴). Und er betont weiter unter Hinweis auf einige charakteriſtiſche Veröffentlichungen des ſlaviſchen Schrifttums 75), wie dankbare Aufgaben auf dem Grenzgebiet kirchlicher Volkskunde

72a) S. dazu die Bemerkung K. A. Eckhardts S. 185/6.

²³) Zweifelhaft erſcheint mir, ob der Kuß im Eheſchließungszeremoniell ſich, wie H. F. Schmid S. 563 anzunehmen ſcheint, der rechtlichen Auswer⸗ tung entzieht. Vgl. H. Meyer S. 241 Anm. 1, ſowie aus der volkskund⸗ lichen Literatur Siebs, Zur vergleichenden Betrachtung volkstümlichen Brauches: Der Kuß, Mitteil. der Schleſ. Geſellſchaft f. Volkskunde, Heft X (1903) S. 1 20, insbeſ. S. 7, 8. Wegen der Umarmung im Trauungs⸗ ritual, die H. Meyer S. 241 neben dem Kuß erwähnt, iſt aufmerkſam zu machen auf das, was Bialoblocki(S. 19) über dieAnſchmiegung als Eheſchließungsform des talmudiſchen Rechts beibringt.

24) a. a. O. S. 568.

75) Zur Literatur des ſlaviſchen Eheſchließungsrechts ſ. noch Weſtrup, ZVR. 42 S. 134 Anm. 5 ſowie unten S. 184 Anm. 78.