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Die Eheschließung des deutschen Frühmittelalters im Lichte der neueren rechtsgeschichtlichen Forschung, Ergebnisse und Ausblicke / von Karl Frölich
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time, durable et fécond, ou, si l'on veut, un mariage in- férieur(S. 42), als deſſen juriſtiſches Merkmalle simple con- sensus des parties accompagné de domum deductio(S. 41) erſcheine. Unverkennbar ſind hier, wenn wir von der Bezeichnung dieſer Eheform als Konkubinat und alsmariage inférieur ab⸗ ſehen, gewiſſe Berührungspunkte mit den Grundgedanken H. Meyers vorhanden, die ſich allerdings nach Weſtrup nicht ohne weiteres auf das römiſche Recht übertragen laſſen, bei dem er in dieſer Richtung eine Sonderregelung vorausſetzt. Er äußert ſich dahin:D'un tel concubinat reconnu par la loi et doté d'une certaine valeur juridique, le droit romain, autant que nous en pouvons juger, ne présente aucune trace(S. 42/43). Für das römiſche Recht nimmt Weſtrup anune forme sui generis de concubinat, tolérée par les mœurs(c'est-àA-dire reconnue de fait) et se distinguant aussi bien subjectivement qu'objective- ment de l'union purement passagère, eine Eheform ebenfalls minderen Ranges ohne manus, die er in Verbindung bringt mit dem ſtändiſchen Gegenſatz zwiſchen Patriziern und Ple⸗ bejern 4⁰) und bei der er die Bedeutung desusus für den Erwerb der manus bei einjährigem Zuſammenlebenma- trimonii causa und der die Entſtehung einer Manusehe hin⸗ derndenusurpatio trinoctii flarzulegen unternimmt. Die Über⸗ prüfung der Schilderung Weſtrups wird eine Aufgabe der ro⸗ maniſtiſchen rechtsgeſchichtlichen Forſchung ſein, die ihre Stellung⸗ nahme auch gegenüber dem Aufſatze Herbert Meyers 65) vor⸗ behalten hat ⁶⁶).

³²) S. hierzu jedoch H. Meyer S. 246 f.

³5) Vgl. L. Wenger, Der heutige Stand der römiſchen Rechtswiſſen⸗ ſchaft. Erreichtes und Erſtrebtes. Münchener Beiträge zur Papyrusforſchung und antiken Rechtsgeſchichte, Heft 11(München 1927), S. 61 Anm. 103 a. S. ferner L. Wenger, Hausgewalt und Staatsgewalt im römiſchen Altertum,

Miscellanea Francesco Ehrle II, Studi e testi 38(Rom 1924) S. 7 f., 24 f.(H. Meyer S. 245 Anm. 5).

⁴⁶) Für die rechtliche Volkskunde ſind aus der letzten Schrift Weſt⸗ rups hervorzuheben die Betrachtungen überle mariage à l'essai(S. 43/44) mit weiterer Literatur. S. hierzu vom deutſchrechtlichen Standpunkt aus Brunner, Die Geburt eines lebenden Kindes und das eheliche Ver⸗ mögensrecht, 32RG. 16(1895) S. 63108; H. Meyer S. 233 Anm. 1, 242 Anm. 3(mit Ausblicken auf die nur im Auszug gedruckte Göttinger jur. Diſſ. von Johanne Bahr, Morgengabe und Erbrecht der Ehefrau in den germaniſchen Volksrechten, 1916).

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