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Die Eheschließung des deutschen Frühmittelalters im Lichte der neueren rechtsgeschichtlichen Forschung, Ergebnisse und Ausblicke / von Karl Frölich
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ebenfalls eine Rolle ſpielenden Brauttanz zu begreifen habe. Rich⸗ tig ſei vielmehr, daß in der urindogermaniſchen Zeit ſowohl Vater⸗ recht wie Mutterrecht nebeneinander gegolten hätten, wobei indeſſen wie Herbert Meyer(S. 267 f.) gegenüber Bach⸗ ofen und Dargun in Anlehnung an die neuere völkerkundliche Forſchung bemerkt Vaterrecht nicht mit Patriarchat und Mutterrecht nicht mit Matriarchat oder gar Gy⸗ naikokratie zuſammengeworfen werden dürfe. Bei dem Va⸗ terrecht handele es ſich um die Beſtimmung der Familienbe⸗ ziehungen durch die Verwandtſchaft zum Vater, bei dem Patri⸗ archat um das Gewaltverhältnis des Mannes gegenüber der Frau und den Kindern, das aber unabhängig von der Frage ſei, ob der Hausherr auch die Kinder erzeugt habe. Es werde dies zwar in der Regel der Fall geweſen ſein, aber keineswegs immer, wie gewiſſe Einrichtungen der Frühzeit in Geſtalt der Gaſtproſtitution, der Zeugungshelfer ⁵⁴) und der Leviratsehe und ſpäter die ſtarke Entfaltung des Rechtes der künſtlichen Verwandtſchaft bei den Germanen erkennen ließen. Desgleichen ſei das Mutterrecht, das die Familienbeziehungen gründe auf die Verwandtſchaft zur Mutter, nicht identiſch mit dem Matriarchat, d. h. der Herr⸗ ſchaft der Mutter im Hauſe, oder gar mit der Gynaikokratie im Sinne einer Herrſchaft der Frau über die Männer ſogar im Staatsleben. Ebenſowenig treffe es zu, daß das Mutterrecht eine gehobene Stellung der Frau bedinge, das Vaterrecht ſie hindere. In Wahrheit ſteht regelmäßig auch da, wo Mutterrecht herrſcht, die Frau unter der Herrſchaft des Mannes;; nur wird dieſer Mann meiſt nicht ihr Ehemann, ſondern ihr Vater oder ihr Bruder ſein. Eine ſolche Unterwerfung ſchließt natürlich eine geachtete Stellung des Weibes im Leben und in der Sitte nicht aus. Solche kommt ja auch beim Patriarchat vor, ſo gerade bei den Germanen(S. 270).

) Von den hier durch die jüngere Forſchung gewonnenen Ergebniſſen fällt übrigens auch helleres Licht auf die bekannte Weistumsüberlieferung von der Vertretung des Ehemannes in der Erfüllung ſeiner ehelichen Pflichten, die bei Fehr(Die Rechtsſtellung der Frau und der Kinder in den Weistümern[Jena 1912], S. 3 f., 93, 206) in erſter Linie unter dem Blickwinkel eines Zuſam⸗ menhanges zwiſchen Kraft und Recht beſprochen wird. Dabei ſpielen aber auch Vorſtellungen hinein, die zu ſehr unter dem Einfluß von Gierkes Auf⸗ faſſung über den Humor im Recht(Gierke, Der Humor im deutſchen Recht, 2. Aufl., Berlin 1886, S. 35 f.) ſtehen(ſ. Fehr S. 2 Anm. 4, 4 Anm. 1). Vgl. hierzu ſchon v. Künßberg Z⸗2RG. 33(1912) S. 566/67, ſowie Jahrb. f. hiſt. Volkskunde I S. 124.