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Die Eheschließung des deutschen Frühmittelalters im Lichte der neueren rechtsgeschichtlichen Forschung, Ergebnisse und Ausblicke / von Karl Frölich
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Was nun in dieſer Richtung die beiden Epen anbelangt, ſo entpuppen ſich nach der Meinung Z.'sbeide Dichter als im höch⸗ ſten Grade zuverläſſig; offenbar völlig vertraut mit den rechtlichen Verhältniſſen ihrer Zeit und dem geltenden Rechtsbrauch und ſicht⸗ lich darauf bedacht, dieſe Elemente getreulich und konſequent im Bilde der geſchilderten Begebenheiten abzuſpiegeln. Von dieſem Ausgangspunkte aus gelangt Z. in Anlehnung an Gedankengänge, die ſich ſchon bei Ficker ²⁹) finden, auf Grund einer Durchmuſte⸗ rung der Epen zu dem Ergebnis, daß neben dem vorbereitenden Akt, der dem alten Mundialgeſchäft entſprechenden Verlobung, und neben der den Abſchluß bildenden, von Z. nicht näher berührten Hochzeitsfeier mit Feſtmahl und Zug zum Brautlager noch ein fer⸗ nerer Akt in Frage komme, der ſich zeitlich zwiſchen Verlobung und Hochzeitsfeier ſchiebe und den Z. nach dem Ort ſeiner Vornahme alsAkt im Ring(d. h. der Verwandten) bezeichnet. In ihm erblickt Z.das ſpezifiſche Eheſchließungsgeſchäft, dasweſentliche, rechtliche Element des ganzen Eheſchließungsvorganges. Er ſtellt ſich nach Z. dar als die auf Befragen erfolgende vertragsmäßige Erklärung des Eheſchließungswillens der beiden Brautleute, an die ſich Umarmung und Kuß, im Gudrunliede auch der Wechſel der Ringe anreiht, er iſt die eigentlicheVermählung(gemahelen). Während nach der herrſchenden Anſicht die Verlobung, das Ver⸗ ſprechen des Gewalthabers, die Braut zur Ehe zu geben, erfüllt wird durch die in der Trauung liegende Hingabe der Braut, leugnet Z. einen Zuſammenhang des Vorgangs im Ringe mit der Ver⸗ lobung, d. h. mit dem Muntgeſchäft. Nach ſeiner Meinung iſt viel⸗ mehr und zwar ſchon ſeit urgermaniſcher Zeit zum Abſchluß der Ehe eine formgebundene gegenſeitige Zuſtimmung der Braut⸗ leute erforderlich geweſen, welche durch den Akt im Ring zum Aus druck gebracht wurde und welche die Ehewirkung auslöſte.

Gegen die Darlegungen Z.'s ſind von der rechtsgeſchichtlichen Kritik ³⁰) Bedenken erhoben worden, inſoweit ſie eine Verbindung

²⁵⁰) Unterſuchungen zur Erbenfolge I S. XXIII, 43, 47. Vgl. weiter oben S. 151 Anm. 11.

³⁰) An Beſprechungen der Schrift Z.'s kommen in Betracht diejenige von E. Heymann, 3*RG. 44(1924), S. 470 473; R. Hübner, D. Lit. Z. 45(1924) Sp. 2055 2058; Hugelmann, Mitt. des Oſterr. Inſt. f. Ge⸗ ſchichtsforſchung 41(1926) S. 444 446. Von philologiſcher Seite finde ich nur die Anzeige von Piquet, Revue germanique XVI(1925) S. 360/1. In den Jahresberichten über die Erſcheinungen auf dem Gebiete der germaniſchen Philologie iſt die Abhandlung Z.'s ebenfalls übergangen.