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Die Eheschließung des deutschen Frühmittelalters im Lichte der neueren rechtsgeschichtlichen Forschung, Ergebnisse und Ausblicke / von Karl Frölich
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Hochzeitstanz ²⁵) und die Sitte des Polterabends ²⁶). Aber trotz⸗ dem ändert ſich nichts an der Tatſache, daß hier von rechtsgeſchicht⸗ licher Seite eine Arbeit geleiſtet iſt, deren gediegene Methode und deren Gewinn für Sprachwiſſenſchaft und Volkskunde dieſen Wiſ⸗ ſenszweigen Anlaß zu einer eingehenderen Beſchäftigung mit ihr geben ſollten, als ſie bisher wenigſtens ſoweit meine Beobach tungen reichen, wahrzunehmen iſt ²⁷).

2. Otto Zallinger. Die Eheſchließung im Nibelun⸗ genlied und in der Gudrun. Akad. der Viſſenſchaften in Wien, Philoſ.⸗hiſtor. Klaſſe. Sitzungsberichte, 199. Band, 1. Abh. (Wien und Leipzig 1923).

Handelt es ſich bei dem Aufſatze Frensdorffs im weſent⸗ lichen darum, innerhalb eines beſtimmten Quellenkreiſes aus dem ſpäteren Mittelalter die überkommenen Vorſtellungen des deutſchen

gaben F. II S. 92 über die Gleichkleidung der Freunde des Bräutigams und des Bräutigams ſelbſt iſt zu erinnern an dasMotiv der Dämonentäuſchung durch Kleiderliſt(5. Naumann, Grundzüge der deutſchen Volkskunde, Leipzig 1922, S. 84), mit dem bei Samter S. 106 Anm. 2 auch die Ein⸗ richtung der Brautführer und Brautführerinnen in Verbindung gebracht wird. Wegen der auf den gleichen Gedanken zurückgeführten Sitte des Vorſchiebens falſcher Bräute(Samter S. 98 f.) ſ. aus der juriſtiſchen Literatur die bei Samter übergangenen Aufſätze von Kohler, Zur Urgeſchichte der Ehe. Totemismus, Gruppenehe, Mutterrecht, ZVR. 12(1897), S. 187 353, insbeſ. 214, und von Ehrenzweig, Die Scheinehe in europäiſchen Hochzeits⸗ bräuchen, ZVR. 21(1908) S. 267 287.

2⁵) Zu F. II S. 90/1 vgl. Edw. Schröder, Brautlauf und Tanz, ZfdA. 61(1924) S. 17 34(hier wird derBrautlauf alsBrauttanz gedeutet), ſowie Bloch, Der deutſche Volkstanz der Gegenwart, HeſſBlV. XXV(1926), S. 124 180, insbeſ. 175 f.(Hochzeitstänze), 179.

²⁶) Die Sitte des Polterabends ſcheint F.(II S. 122) wegen des Schwei⸗ gens der mittelalterlichen ſtädtiſchen Luxus⸗ und Hochzeitsordnungen für ver⸗ hältnismäßig jung zu halten. Gegen dieſe Auffaſſung ſpricht das bei Sam⸗ ter S. 58 66(Geiſtervertreibung durch Lärmen) und H. Naumann S. 83 f. Dargelegte.

²7) Ich vermiſſe eine Erwähnung des Aufſatzes bei Reuſchel, Deutſche Volkskunde im Grundriß II(Leipzig und Berlin 1924) S. 73 f. ſowie bei John Meier, Deutſche Volkskunde, insbeſondere zum Gebrauch der Volks⸗ ſchullehrer(Berlin u. Leipzig 1926) S. 313 f. Auf ihn nimmt auch nicht Bezug die Gießener philoſ. Diſſ. von Meta Wachsner, Die deutſchen Ausdrücke für Verlobung, Hochzeit, Ehe(Maſchinenſchrift, Auszug gedruckt, 1921), die ſich ihrem Gegenſtand nach mit dem erſten Teil der Ausführungen F.'s auf das engſte berührt. Es iſt dies allerdings nicht zu verwundern, da die Schrift F.'s in den Jahresberichten über die Erſcheinungen auf dem Ge⸗ biet der germaniſchen Philologie 19161919 fehlt.