meiſter Adolf Spieß, die Brüder Karl und Guſtav Soldan, den Kli⸗ niker Wernher, den Germaniſten Hattemer, den Zoologen Karl Vogt, den Geographen Ernſt Dieffenbach, den Volksſchriftſteller OLſer— ſind in den Gießener Burſchenſchafter⸗Liſten jener Jahre zu finden.
Der Ausbruch der Juli⸗Revolution des Jahres 1830 und ihre Nachwirkungen auf die liberalen Kreiſe Deutſchlands ſind wie für die Geſamtburſchenſchaft, ſo auch für den Gießener burſchenſchaftlichen Kreis verhängnisvoll geworden. Trotzdem in der Germania als ſol⸗ cher die arminiſtiſche Richtung vorherrſchend blieb, ſo wurden doch zahlreiche ihrer Mitglieder von der leidenſchaftlichen politiſchen Er⸗ regung jener Tage erfaßt. Manche von ihnen waren in die Vorbe⸗ reitung der für das Frühjahr 1833 geplanten allgemeinen Volkser⸗ hebung eingeweiht, und am Frankfurter Wachenſturm vom 3. April 1833 haben auch mehrere Angehörige der Gießener Burſchenſchaft teil⸗ genommen. Ihr Kern wählte im Sommer 1833 als ſchützenden Decknamen den eines Corps Palatia, deſſen Mitglieder aber der Be⸗ teiligung an der politiſchen Agitation nicht entſagten. Durch zwei Verräter gelangten alle dieſe geheimen Verbindungen zur Kenntnis der Unterſuchungsbehörden, die nun eine wahre Hetzjagd gegen die jungen Verſchwörer, aber auch gegen alle in politiſcher Beziehung völlig unbelaſteten früheren Mitglieder der Burſchenſchaft und der burſchen⸗ ſchaftlichen Corps Starkenburgia und Palatia veranſtalteten. Viele von ihnen ſuchten ihr Heil in der Flucht nach der Schweiz, Frank⸗ reich und der neuen Welt. Die Zurückgebliebenen traf zum guten Teile lange Unterſuchungshaft und ſchwere Freiheitsſtrafe, die erſt durch die Amneſtie von 1839 erlaſſen wurde. Aber auch ſoweit die Unterſuchung wegen der zahlloſen Menge der Beſchuldigten niederge⸗ ſchlagen wurde, hat ſie doch ſo manches Lebensglück zerſtört, indem man einen großen Teil der ehemaligen Burſchenſchafter von der Ab⸗ legung der Schlußprüfung und damit vom Staatsdienſte ausſchloß.
Über den deutſchen Einheitsgedanken hat die Reaktion aber doch auch mit ſolchen Mitteln nicht Herr zu werden vermocht. Das Jahr 1848 ſah die Fahne der Burſchenſchaft auf den deutſchen Fürſten⸗ ſchlöſſern wehen, und gar mancher der burſchenſchaftlichen Leidensge⸗ noſſen der zwanziger und dreißiger Jahre hat es noch erleben dürfen, daß der Traum der alten Burſchenſchaft von einem mächtigen deutſchen Reiche mit freiheitlicher Verfaſſung in glänzende Erfüllung ging.
Herman Haupt E. M. der Würzburger Burſchenſchaft„Arminia“ und der Gießener Burſchenſchaft„Frankonia“ (aktiv 1871— 74).


