Druckschrift 
Beiträge zur Geschichte der alten Gießener Burschenschaft : burschenschaftliche Lebensbilder aus dem Jahre der großen Relegation (1828) / von Christian Scriba, Pfarrer i. P. in Gießen ; mit einer Einlitung von Geh. Hofrat Dr. Herman Haupt
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen

ſich ihre Mitglieder nicht nur durch ihre deutſch⸗vaterländiſchen Be⸗ ſtrebungen, ſondern auch durch eifrige Pflege des Turnens und durch die ſtrenge ſittliche Zucht, die in ihrem Kreiſe herrſchte. Nachdem die Waffenverbindung mit den Corps mehrere Jahre hindurch in flottem Paukverhältnis geſtanden, brachen im Jahre 1828 ernſte Zwiſtigkeiten zwiſchen den beiden Parteien aus. Die Waffenverbindung ſprach ſchließlich in einem Briefe, der die Corps alsHöhlen des Laſters bezeichnete, über dieſe den Verruf aus. Die hierauf folgenden Zu⸗ ſammenſtöße zwiſchen den feindlichen Parteien veranlaßten eine amt⸗ liche Unterſuchung, wobei das Univerſitätsgericht in den Beſitz der Verfaſſungen und Mitgliederliſten der Verbindungen und des zwiſchen ihnen geführten Briefwechſels kam und bei welcher Gelegenheit gegen die Mitglieder der Waffenverbindung von ihren Gegnern der Vorwurf derDemagogie erhoben wurde. Das Endergebnis war, daß am 28. Juni 1828 zweiunddreißig Mitglieder der engeren Verbindung innerhalb der Burſchenſchaft und 16 Angehörige der Corps Haſſia und Starkenburgia der Relegation auf ein Jahr verfielen. Durch eine im Juli nach Darmſtadt abgeordnete ſtudentiſche Deputation hoffte man eine Milderung des Straferkenntniſſes zu erreichen, doch iſt den Beſtraften die Rückkehr an die Ludoviciana erſt für das Sommerſemeſter 1829 geſtattet worden.

Den Fortbeſtand der Gießener Burſchenſchaft hatte die große Relegation nicht zu beeinträchtigen vermocht. Schon am 24. Auguſt 1828 erfolgte ihre Neugründung. Als Farben wurden wieder ſchwarz⸗ rot⸗gold angenommen; die Satzungen waren von einem früheren Halliſchen Burſchenſchafter, dem ſpäteren Hofprediger Wilſing, nach dem Muſter der Halliſchen Verfaſſungsurkunde entworfen worden. Wohl blieben der Gießener Burſchenſchaft innere Kämpfe nicht erſpart, die im Herbſt 1829 und im Jahre 1830 zur Gründung der kurz⸗ lebigen Corps Naſſovia und Vandalia führten. Einen ſtärkeren Ver⸗ luſt bedeutete der Austritt einer größeren Anzahl von Unzufriedenen, die ſich im Sommer 1832 zu einem Corps Teutonia zuſammentaten; dieſen gefährlich klingenden Namen mußte die Verbindung bald in Starkenburgia verändern, was freilich nicht verhinderte, daß ihre Mitglieder auch als Corpsſtudenten in der Folge den burſchenſchaft⸗ lichen Traditionen treu blieben. Trotz dieſer Abſplitterungen erlebte die Gießener Burſchenſchaft gerade in jenen Jahren eine Zeit beſon⸗ derer Blüte. Als ſie ſich zu Anfang 1831 derAllgemeinen deutſchen Burſchenſchaft anſchloß, konnte ſie 98 Mitglieder anmelden. Und eine Reihe von glänzenden Namen ich nenne nur die Theologen Hundeshagen und Minnigerode, den Juriſten Karl Sell, den Turn⸗