ft
—
Einleitung.
Durch ein enges Band iſt die Geſchichte der deutſchen Burſchen⸗ ſchaft mit dem Gange der deutſchen Einheitsbewegung verknüpft. In allen ihren Entwicklungsſtufen iſt für die Burſchenſchaft der leiden⸗ ſchaftliche Drang nach einer Einigung des deutſchen Volkes der be⸗ ſtimmende Pol geweſen. Hunderte ihrer Mitglieder haben für dieſes Streben ihr Lebensglück zum Opfer gebracht; aus dem burſchenſchaft⸗ lichen Kreiſe iſt hauptſächlich der deutſche Einheitsgedanke in die wei teren Kreiſe des Volkes hinausgetragen worden. Von dieſem Geſichts punkte aus betrachtet, gewinnt die von der„Burſchenſchaftlichen Hiſto⸗ riſchen Kommiſſion“ geplante Herausgabe von Mitglieder⸗Liſten der alten Burſchenſchaft eine allgemeinere Bedeutung. Nicht nur der ſtu⸗ dentengeſchichtlichen Forſchung im engeren Sinne wird mit dieſem Un⸗ ternehmen gedient, ſondern die Bearbciter dürfen zugleich hoffen, durch den Nachweis des ſtarken Anhangs, den der vaterländiſche Gedanke namentlich in den erſten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts trotz Acht und Bann an den deutſchen Univerſitäten gefunden, auch zur genaueren Erforſchung der Geſchichte der deutſchen Einheitsbewegung weſentlich beizutragen.
Die meinem verehrten Freunde Scriba gegebene Anregung, an der von mir übernommenen Ausarbeitung der Mitglieder⸗Liſten der alten Gießener Burſchenſchaft ſich zu beteiligen, iſt bei ihm auf fruchtbaren Boden gefallen. Mit feurigem Eifer hat er zunächſt des bedeutungsvollen Zeitabſchnittes 1826— 1829 ſich angenommen, während deſſen ſein Vater, Pfarrer Auguſt Scriba, der alten Gießener Burſchenſchaft angehörte, und mit unendlicher Mühe und Geduld hat er alle erreichbaren Nachrichten über die Lebensſchickſale einer großen Zahl von Bundesbrüdern ſeines Vaters geſammelt, namentlich von denjenigen, die im Jahre 1828 mit ihm das Los der Relegation um ihrer Zugehörigkeit zur Burſchenſchaft willen teilen mußten. Auf den folgenden Blättern will er die Ergebniſſe jener ausgebreiteten pietät⸗ vollen Nachforſchungen einem weiteren Kreiſe zugänglich machen. Gern komme ich dem Wunſche des Verfaſſers nach, dieſen ſo dankenswerten Lebensbildern einige einleitende Worte vorauszuſchicken, die über die


