— a— Geſchichte der alten Gießener Burſchenſchaft, zumal in den Jahren 1828— 1833, in aller Kürze unterrichten ſollen. ¹)
Faſt gleichzeitg mit der am 1. November 1814 gegründeten Halliſchen Teutonia trat in Gießen die dieſer erſten und älteſten Burſchenſchaft aufs engſte weſensverwandte„Teutſche Leſegeſellſchaft“ zu Anfang November 1814 ins Leben. So allgemeinen und begei⸗ ſterten Anhang ſie auch unter der Studentenſchaft der Ludoviciana fand, ſo hatte die„Teutonia“ doch nur kurzen Beſtand. Schon im Januar 1815 zerfiel ſie in zwei feindliche Parteien, aus deren einer ſich die alten Landmannſchaften aufs neue bildeten, während die An⸗ hänger des burſchenſchaftlichen Gedankens, die ſogenannten„Schwar⸗ zen“, unter der Führung der Brüder Follen zuerſt zu einer„Ger⸗ mania“, nach deren Auflöſung zu einem„Deutſchen Bildungsverein“ ſich zuſammenſchloſſen. Auch der von den„Schwarzen“ im Jahre 1816 gemachte Verſuch, auf Grund der von ihnen ausgearbeiteten Ver⸗ faſſung, des„Ehrenſpiegels“, die Gießener Studentenſchaft wieder zu einer Burſchenſchaft zu einigen, mißlang. Erſt durch das Wartburg⸗ feſt vom Oktober 1817, an dem Anhänger der beiden genannten Par⸗ teien teilnahmen, wurden auch die bisher ſtarr partikulariſtiſchen Gie⸗ ßener Landmannſchafter für die deutſch⸗vaterländiſchen Ideen ge⸗ wonnen. Im Auguſt 1818 vereinigten ſie ſich nach Auflöſung ihrer Verbindungen zur„Allgemeinen Gießener Burſchenſchaft Germania“, der auch ihre bisherigen Gegner, die„Schwarzen“, mit der Zeit ſich anſchloſſen. Aber auch diesmal ſollte die vollzogene Einigung wieder nur von kurzer Dauer ſein. Infolge der Karlsbader Beſchlüſſe, die die Zugehörigkeit zur Burſchenſchaft mit dem Ausſchluſſe aus dem Staatsdienſte in allen deutſchen Bundesſtaaten bedrohten, löſte ſich die Germania am 3. November 1819 auf.
Wiederum leben nun die alten Landmannſchaften wieder auf, deren Anhänger auf die ſtillſchweigende Duldung der Behörden rech⸗ nen durften. Aber auch die Anhänger der Burſchenſchaft hielten im Geheimen zuſammen, zuerſt in zwei Verbindungen, Conſtantia und Germania, getrennt, ſeit 1821 aber zu einer einzigen Burſchenſchaft vereinigt, die den weitaus größeren Teil der Studentenſchaft umfaßte. Die Farben waren zuerſt ſchwarz-⸗rot⸗gold, wurden aber ſpäter aus Vorſicht in blau⸗gold⸗rot geändert. Als Deckname gebrauchte man die Bezeichnung„Waffenverbindung“. Von den Corps unterſchieden
¹) Ausführlicher habe ich über den Gegenſtand gehandelt in meinem„Karl pollen und die Gießener Schwarzen“(Gießen 1907), in der„Ludoviciana“(1907) S. 50 ff., in der„Feſtſchrift zum 50 jährigen Stiftungsfeſte der Gießener Bur⸗ ſchenſchaft Germania“(Mainz 1901) S. 5 ff., endlich in dem Aufſatz über Adolf Spieß, in den„Quellen und Darſtellungen zur Geſchichte der Burſchenſchaft und der deutſchen Einheitsbewegung“ Band II(1911) S. 306 ff.


