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Betrachtungen zur Siedlungsgeschichte und zum älteren Bergwesen von Goslar ; mit einer Urkundentafel / von Karl Frölich
Entstehung
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rolle, ⁵⁰) ein Verzeichnis der mit jährlichen Geldrenten aus den Einkünften der Reichsvogtei, den sogen. Vogteigeldernꝰ¹), bedach- ten Personen aufgestellt; als ihr Verfertiger wird im Eingang der RolleHeinricus de Vriberch, scriptor burgensium in Goslaria. bezeichnet. Es ist schon oben hervorgehoben worden, daß der Name dieses Stadtschreibers auf Beziehungen zu der Bergstadt Freiberg in Sachsen schließen lasse; bei ihm begegnet bereits die auch in der Folgezeit öfter zu beobachtende Vereinigung des Am- tes des Stadtschreibers mit dem eines Bergschreibers.)

Die hier obwaltenden Zusammenhänge werden nun heller be- leuchtet durch einige Einträge, die in dem ältesten Kopialbuch des Rates zu den Jahren 1320 und 1324 enthalten sind. Es ist zunächst zum Jahre 1320 ein Vermerk überliefert, der sich mit dem Verkauf einer lebenslänglichen Rente durch den Rat befaßt, dieHenrico scolari, filio quondam Henrici montani, qui Scriptor cognomine dicebatur, überlassen wird. ³) Und ihm folgt eine sich damit be- rührende Aufzeichnung fast des gleichen Wortlauts aus dem Jahre 1324.5⁴) Trotz der Länge der inzwischen verstrichenen Zeit scheint mir im Hinblick auf die gewählte Fassung die Annahme nicht un- begründet zu sein, daß dabei an Heinricus de Vriberch, den Ver- fasser der Vogteigeldrolle, zu denken und daß in ihm, wie der ge- prauchte Zusatz ergibt, ein Angehöriger der Gruppe der Montanen zu erblicken ist.

Ich glaube, daß diese urkundlichen Nachrichten in Verbindung mit dem, was sonst über die Gründe der Verfassungsänderungen um 1290 bekannt ist, keinen anderen Schluß zulassen, als daß erst in diesem Jahre die beiden Verbände der Montanen und sil- vanen, die bis dahin getrennt waren, miteinander verschmolzen sind, und daß hierauf die später in der Regel gebrauchte Doppel- bezeichnung zurückgeht. Allerdings ist das Verhältnis zwischen Montanen und Silvanen von mir nicht, wie M.(S. 161) angibt, so gedeutet, daß sich die Montanen dem Bergbau am Rammelsberge. die Silvanen aber nur dem Hüttenbetrieb in der Waldmark ge- widmet hätten. 5⁵) Es ist wahrscheinlich, daß die Montanen auch an dem Hüttenwesen beteiligt waren, insbesondere soweit es sich um die in der Nähe von Goslar belegenen, später im Besitze der Sechsmannen des Berges erscheinenden Treibhütten?) handelt.

Und umgekehrt standen die Silvanen dem Bergbau, der ebenfalls

in der Waldmark, wenngleich nur in bescheidenerem Umfang,