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Betrachtungen zur Siedlungsgeschichte und zum älteren Bergwesen von Goslar ; mit einer Urkundentafel / von Karl Frölich
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Nach seinen weiteren Darlegungen erblickt M.(S. 148) die ur- sprüngliche Straßenmarktanlage, von der er ausgeht, offensichtlich in der heutigen Marktstraße, die später eine Erweiterung in der Richtung auf die königliche Pfalz zu erfahren habe.

Das, was M. hier vorbringt, läßt erkennen, daß er, wiederum im Banne vorgefaßter Meinungen befangen, sich überhaupt nicht die Mühe gemacht hat, meine Ausführungen genau zu lesen.

Selbstverständlich ist mir das Schrifttum über die älteren Marktsiedelungen bekannt. ³⁰) Die Möglichkeit, daß die erste aus- geprägte und quellenmäßig erfaßbare Marktanlage in Goslar am Schuhhofe aus der Verbreiterung eines früheren Straßenmarktes in dieser Gegend erwachsen sei, wird sogar von mir ausdrücklich er- wähnt. ³¹) Daß in Goslar bereits in karolingischer oder oftonischer Zeit ein größerer Marktplatz vorhanden war, ist von mir nirgends behauptet; was ich über die Marktanlage am Schuhhof, die zuerst einen eigentlichen Marktplatz darstellt, vorgetragen habe, findet in der urkundlichen Uberlieferung des 11. und 12. Jahrhunderts einen deutlichen Niederschlag. Daß bei der planmäßigen Begründung einer Marktsiedelung auch auf Grundbesitz, der dem Stadtherrn nicht oder nicht mehr gehörte, zurückgegriffen worden ist, und daß sich daraus Unterschiede in der Rechtslage des zur Markt- siedelung gezogenen Geländes ergeben können, zeigt sich auch in anderen Fällen. ³²) Für Goslar insbesondere erhellt noch aus Nach- richten aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts, daß sich das Ge- lände eines Hofes der Herren von Wanzleben, der an der Südost- ecke des Marktes, also in unmittelbarer Nachbarschaft des Hofes der Herren de Capella zu suchen ist, bis um diese Zeit in besonde- rer Rechtslage erhalten hat. ³³)

4. Die Stadtgründung.

Ein ähnliches Urteil ist zu fällen hinsichtlich der Bemerkungen M.'s über die Stadtgründung, bei der er betont, daß ein größerer Gegensatz, als er zwischen ihm und mir obwalte, kaum denkbar sei(S. 149). Die Grundlage für diese Behauptung gewinnt er in der Weise, daß er künstlich eine Abweichung zwischen meinen früheren Ausführungen aus dem Jahre 1927 und meiner späteren Darstellung von 1929 konstruiert, die aber nur in seiner Einbil- dung besteht. Ich habe 1927 die Entwicklung der Stadt Goslar aus der planmäßig angelegten Marktsiedelung gedeutet im Sinne einer