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Betrachtungen zur Siedlungsgeschichte und zum älteren Bergwesen von Goslar ; mit einer Urkundentafel / von Karl Frölich
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wahl- und kritiklos Erscheinungen, die anderwärts zu beobachten sind, zur Deutung der Zustände in Goslar benutzt werden, ohne daß sie irgendwelche zutreffenden Vergleichsmöglichkeiten erheb- licheren Umfangs erschließen, oder wenn dabei Auffassungen hin- einspielen, die ohne weiteres als unrichtig zu bezeichnen sind.

Was sodann die Münzgeschichte, eins der Hauptsteckenpferde M.s, anbelangt, so leugne ich nicht, daß sie, mit Vorsicht ver- wertet, neben den münz- und wirtschaftsgeschichtlichen Aufschlüs- sen, die sie vermittelt und die für unsere Zwecke nur bedingt ins Gewicht fallen, auch verfassungsrechtliche Erträge, auf die es mir bei meinen Untersuchungen vor allem ankam, abzuwerfen ver- mag. Aber gerade nach dieser Seite hin scheiden für Goslar die Darlegungen M.s aus, insbesondere soweit sie sich mit der Rolle, die die Münzergilde in der Frühzeit Goslars gespielt hat, und auf die noch einzugehen ist, befassen.

Was endlich die siedlungsgeschichtlichen Grundlagen betrifft, so bin ich der letzte, der ihre Wichtigkeit verkennt. Allerdings halte ich es dabei für angebracht, den Boden gesicherter urkund- licher Uberlieferung nicht zu weitgehend zu verlassen und sich nicht hemmungslos dem Spiele üppig schweifender Phantasie hin- zugeben. Gebilde, wie sie z. B. M. in Gestalt eines doppelten Bergdorfes am Rammelsberge bei Goslar vorschweben, stellen eine glatte Unmöglichkeit dar. Nicht viel anders liegen die Dinge bei der von M. vorgenommenen Aufspaltung der Siedlung am Fran- kenberge in eine Ost- und Westhälfte von grundsätzlich verschie- dener Struktur. Und von dem, was M. über die älteste Marktanlage und ihre Umgebung vorbringt, hält ebenfalls das meiste der Nach- prüfung nicht stand.

So kann ich diesem Tadel, mit dem M. seinen Feldzug gegen mich einleitet, kein sehr erhebliches Gewicht beimessen; das später zu Bemerkende wird im einzelnen zeigen, wieviel, oder vielleicht besser gesagt, wie wenig auf die Ausführungen M.'s zu geben ist. Man wird es mir aber unter diesen Umständen auch nicht ver- übeln können, wenn ich meinerseits eine allgemeine Charakteristik der Leistungen M.'s auf dem Gebiete des Goslarer Bergwesens vor- anstelle.*) Sie geht dahin, daß es M. an der Fähigkeit fehlt, im Wege einer sorgfältigen und zuverlässigen Auswertung der Quellen der geschichtlichen Wirklichkeit nahezukommen. Wie seine Ar- beiten über Goslar und namentlich die Goslarer Bergwerksverfas-