Druckschrift 
Verordnung, die Prüfungen der Aspiranten des Gymnasial- und Realschul-Lehramts betreffend : (Abdruck aus dem Großherzoglich Hessischen Regierungsblatt Nr. 17 vom 3. April 1876, 1180 Nr. 26 und 1886 Nr. 22) / (L. S.) Ludwig, v. Starck
Entstehung
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§ 16.

2. Für Griechiſch und Lateiniſch(klaſſiſche Philologie) iſt

a) von den Lehrern der mittleren und unteren Klaſſen vor Allem ſichere Kenntniß der Grammatik zu fordern. Schriftſteller wie Homer, Xenophon, Virgil, Livius, Cicero, Cäſar müſſen ſie mit Ausnahme beſonders ſchwieriger Stellen ohne erheblichen Anſtoß überſetzen können. Das Wich⸗ tigſte aus der alten Literatur und Geſchichte, aus den Alterthümern, der Mythologie und aus der antiken Metrik muß ihnen mindeſtens ſoweit be⸗ kannt ſein, als es zur Erklärung der Schriftſteller nöthig iſt.

b) Für die Lehrfähigkeit in allen Klaſſen wird außer einer wiſſen⸗ ſchaftlichen Kenntniß der griechiſchen und lateiniſchen Grammatik gründliches Studium und Beleſenheit in den Klaſſikern beider Sprachen, beſonders den⸗ jenigen, welche in der Prima geleſen werden, allgemeine Bekanntſchaft mit der Geſchichte und dem gegenwärtigen Standpunkt der Philologie, Vertraut⸗ heit mit der philologiſchen Methode, ſowie Sicherheit und Fertigkeit im mündlichen und ſchriftlichen Gebrauche der lateiniſchen Sprache verlangt. Mit der griechiſchen und römiſchen Literaturgeſchichte, den Alterthümern, der Mythologie und der Metrik muß ſich der Aſpirant eingehend beſchäftigt haben, wenn auch ſpecielle Kenntniß aller Theile nicht von Jedem zu ver⸗ langen iſt.

Wenn der Aſpirant für dieſe Unterrichtsſtufe auch Kenntniſſe in der Archäologie der Kunſt und im Sa nskrit nachweiſen kann, ſo iſt dies im Prüfungszeugniſſe zu bemerken.

c) Für die Prüfung im Sanskrit wird eine wohlbegründete Kennt⸗ niß der Formenlehre der Sanskritſprache, ſowie einige Fertigkeit im Ueber⸗ ſetzen und Erklären leichter Stellen aus einem indiſchen Epos erfordert.

d) Eine geſonderte Prüfung in der lateiniſchen Sprache findet nur bei Aſpiranten ſtatt, welche in der neueren Philologie ihre Lehrfähigkeit für alle Klaſſen darthun wollen. Dieſelben müſſen mit der geſchichtlichen Entwickelung der lateiniſchen Sprache bekannt ſein und aus der römiſchen Literaturgeſchichte vorzugsweiſe die Geſchichte der Komödie und die Geſchichte der letzten Literaturperiode kennen.

§ 17. 3. Neuere Philologie. Wer neuere Philologie zum Hauptfach oder neben Geſchichte oder