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Schlußacrte der über Ausbildung und Befeſtigung des teutſchen Bundes zu Mien gehaltenen Miniſterial-Conferenzen, welche am 8. Juni 1820, dem fünften Jahrestage der Unterzeichnung
der teutſchen Bundesacte, zu Frankfurt am Main als allgemeines Bundesgeſetz angenommen und bekannt gemacht wurde.
Die ſonverainen Fürſten und freien Städte Teutſchlands, eingedenk ihrer bei Stiftung des teutſchen Bundes übernommenen Verpflichtung, den Beſtim⸗ mungen der Bundesacte durch ergänzende und erläuternde Grundgeſetze eine
zweckmäßige Entwickelung und hiermit dem Bundesvereine ſelbſt die erforder⸗
liche Vollendung zu ſichern, überzeugt, daß ſie, um das Band, welches das ge⸗ ſammte Teutſchland in Friede und Eintracht verbindet, unauflöslich zu befeſti⸗ gen, nicht länger anſtehen durften, jener Verpflichtung und einem allgemein gefühlten Bedürfniſſe durch gemeinſchaftliche Berathungen Genüge zu leiſten, haben zu dieſem Ende nachſtehende Bevollmächtigte ernannt, nämlich:
(Folgen die Namen und Titel der Bevollmächtigten),
welche zu Wien, nach geſchehener Auswechſelung ihrer richtig befundenen Voll⸗ machten, in Cabinets⸗Conferenzen zuſammengetreten, und, nach ſorgfältiger
Erwägung und Ausgleichung der wechſelſeitigen Anſichten, Wünſche und Vor⸗
ſchläge ihrer Regierungen, zu einer definitiven Vereinbarung über folgende Ar⸗ tikel gelangt ſind:
Art. 1. Der teutſche Bund iſt ein völkerrechtlicher Verein der teutſchen ſou⸗ verainen Fürſten und freien Städte, zur Bewahrung der Unabhängigkeit und Unverletzbarkeit ihrer im Bunde begriffenen Staaten, und zur Erhaltung der innern und äußern Sicherheit Teutſchlands.
Art. 2. Dieſer Verein beſteht in ſeinem Innern als eine Gemeinſchaft
ſelbſtſtändiger, unter ſich unabhängiger Staaten, mit wechſelſeitigen gleichen Vertragsrechten und Vertragsobliegenheiten, in ſeinen äußern Verhältniſſen aber, als eine in politiſcher Einheit verbundene Geſammtmacht.
Art. 3. Der Umfang und die Schranken, welche der Bund ſeiner Wirk⸗ ſamkeit vorgezeichnet hat, ſind in der Bundesacte beſtimmt, die der Grundver⸗ trag und das erſte Grundgeſetz dieſes Vereins iſt. Indem dieſelbe die Zwecke des Bundes ausſpricht, bedingt und begränzt ſie zugleich deſſen Befugniſſe und Verpflichtungen.
Art. 4. Der Geſammtheit der Bundesglieder ſteht die Befugniß der Ent⸗
wickelung und Ausbildung der Bundesacte zu, inſofern die Erfüllung der darin aufgeſtellten Zwecke ſolche nothwendig macht. Die deshalb zu faſſenden Be⸗ ſchlüſſe dürfen aber mit dem Geiſte der Bundesacte nicht im Widerſpruche ſtehen, noch von dem Grundcharakter des Bundes abweichen.


