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während bei Benutzung des Waſſerweges Ruhrort-— Gießen die Fracht einſchließlich der Bahnfracht Zeche—Ruhrort ſich nur auf etwa 47 Mk. ſtellen würde. Es iſt anzunehmen, daß bei einer ſolchen Verbilligung der Fracht jährlich mindeſtens 100 000 Tonnen Kohlen auf der Lahn über Gießen bezogen werden können.
Von Wichtigkeit wäre es für die Rentabilität der Lahnkanaliſation ferner, wenn auch der Bezug von Hüttenkoks auf dem Waſſerwege für die Lollarer Eiſenwerke zu ermöglichen wäre, der ſich jetzt auf 40 000 Tonnen pro Jahr beläuft. Vorerſt bildet die Verminderung der Qualität der Hochofenkoks durch zweimaliges Umladen ein ernſt⸗ liches Hindernis für die Benutzung des Waſſerweges, doch iſt es vielleicht nicht aus— geſchloſſen, daß ſich dieſer Nachteil durch techniſche Verbeſſerungen in dem erforderlichen Maße verringern läßt.
Von den im nördlichen Oberheſſen gelegenen Braunkohlenwerken iſt nur bei gleichzeitiger Gewährung von billigen Umſchlagstarifen ein Verſand ihrer Pro⸗ dukte auf der Lahn über Gießen zu erwarten, der auf etwa 15 000 Tonnen pro Jahr geſchätzt wird.
Von ſonſtigen Gütern, die bei Schiffbarmachung der Lahn bis Gießen für den Empfang in Betracht kommen, ſind in erſter Linie Artikel des Baugewerbes zu erwähnen, deren jährlicher Bezug auf 70 000 Tonnen geſchätzt wird.
An Petroleum iſt ein jährlicher Empfang von rund 4000 Tonnen, an Oelen und Fetten ein ſolcher von 2000 Tonnen zu erwarten.
Sowohl für den Empfang, als auch für den Verſand kommen noch in Betracht rund: 5000 Tonnen Eiſen und Eiſenwaren, 3000 Tonnen Mehl und etwa 10 000 Tonnen ſonſtige Güter.
Bei Schiffbarmachung der Lahn ſind hiernach jährlich folgende Verſand⸗ mengen ab Gießen zu erwarten:
Erze 150 000— 200 000 Tonnen Holz 7 350 Tonnen Baſalt 60 000„ Getreide 5 10 000„
Sonſtige Bau⸗ materialien 10 000„ Zuſammen 232 000— 287 350 Tonnen. Für den Gmpfang kommen in Betracht:
Steinkohlen 100 000 Tonnen Futtermittel 6 000 Tonnen Baumaterialien 70 000„ Petroleum 4 000 Düngemittel 6 000„ Oele und Fette 2 000 5
Zuſammen 188 000 Tonnen. Hierzu kommen noch, teils für den Verſand, mehr aber für den Empfang: Eiſen und Eiſenwaren 5 000 Tonnen Mehl 3 000 Sonſtige Güter 10 000„ Zuſammen 18 000 Tonnen.
Die Zuſammenfaſſung vorſtehender Schätzungsziffern ergibt einen jährlichen Schiffahrtsverkehr über Gießen von 438 000— 493 000 Tonnen.
Nicht einbegriffen ſind in dieſen Ziffern die Gütermengen, welche von den in Preußen gelegenen Erzbergwerken vielleicht noch von Gießen ab zum Verſand kämen, ferner die Erze, welche jetzt ſtillgelegte Gruben in Oberheſſen verſenden können, ſowie die Verſandziffern für die Erzeugniſſe der oberheſſiſchen Braunkohlenbergwerke und etwaige Koksbezüge für Hochofenanlagen. Es iſt hiernach ſicher nicht zu hoch gegriffen, wenn man den jährlichen Schiffahrtsverkehr über Gießen nach mehrjähriger Benutzung des Waſſerweges auf 500 000— 550 000 Tonnen veranſchlagt.
Von dieſen Gütermengen werden etwa 400 000— 450 000 Tonnen die ganze Lahn durchlaufen und dadurch auf die Ertragsfähigkeit des neuen Waſſerweges ganz be— ſonders fördernd einwirken, während etwa 100 000 Tonnen auf den Binnenverkehr entfallen.
Welche Gebühren auf der Lahn zur Erhebung kommen werden, läßt ſich jetzt noch nicht überſehen. Nehmen wir an, daß für jedes Tonnenkilometer ½ Pfg. an Abgaben erhoben wird, dann wird der durchgehende Güterverkehr von Gießen bis zur Mündung und in umgekehrter Richtung(bei rund 142 km Stromlänge)
jährlich 142 000— 160 000 Mk. der Binnenverkehr 18 000„ alſo der Geſamtverkehr 160 000— 178 000„ an Abgaben aufbringen.


