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Die Schiffbarmachung der Lahn von der Mündung bis Gießen / die Großherzogliche Handelskammer, der Vorsitzende Koch, der Eynditus: Dr. Knipper
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Ruhrort 60 Mk. für 10 Tonnen, würde ſich aber bei Benutzung des Waſſerweges ab Gießen vorausſichtlich auf etwa 21 Mk. ermäßigen, alſo um 39 Mk. niedriger ſein. Für Grubenholzſendungen GießenEſſen ſind heute 58 Mk. Frachtkoſten zu zahlen, die ſich bei Benutzung des Waſſerweges Gießen Ruhrort auf mindeſtens 44 Mk. erniedrigen würden, wobei an Umladeſpeſen aus dem Schiff in die Bahn 10 Mk. pro Waggon gerechnet ſind. Von Alsfeld nach Ruhrort beträgt die Eiſenbahnfracht für Gruben⸗ holz 73 Mk. für 10 Tonnen, nach Schiffbarmachung der Lahn würde ſich die Fracht hingegen nur auf etwa 46 Mk. ſtellen, wobei als Umladeſpeſen von der Bahn ins Schiff 5 Mk. für 10 Tonnen gerechnet ſind. Für Grubenholzſendungen Alsfeld Eſſen kommen jetzt auf der Bahn 71 Mk. Frachtkoſten in Betracht, während ſich bei Benutzung des Waſſerweges GießenRuhrort die gemiſchte Fracht auf etwa 70 Mk., alſo nur um 1 Mk. pro 10 Tonnen niedriger ſtellen würde. Bei zweimaliger Umladung würde alſo der Waſſerweg für Grubenholzſendungen von oberheſſiſchen Stationen nicht in Frage kommen.

Noch günſtiger ſtellen ſich die Frachten bei Benutzung des Waſſerweges für Nutzholzſendungen, ſelbſt wenn hier die Waſſerfracht von Gießen bis Ruhrort zu 28 Mk. für 10 Tonnen angenommen wird. Dann beträgt gegenüber der Eiſenbahn⸗ fracht GießenRuhrort von 84 Mk. die Waſſerfracht 28 Mk., gegenüber der Bahnfracht GießenEſſen von 82 Mk. der Satz bei Benutzung des Waſſerweges 51 Mk. Nutz⸗ holzſendungen zahlen jetzt auf der Bahn von Alsfeld nach Ruhrort 102 Mk., nach Eſſen 100 Mk., während bei Benutzung der Schiffahrt die bezüglichen Sätze ſich auf 61 bezw. 84 Mk. ſtellen würden.

Bei Annahme dieſer Frachtermäßigungen werden die Holzmengen, die jährlich von Gießen ab aus oberheſſiſchen Waldungen auf der Lahn zum Verſand kommen können, auf mindeſtens

6 000 Kubikmeter Nadelgrubenholz, d. h. 3 550 Tonnen,

2 000 Eichengrubenholz, d. h. 2 000 und

3 000 Nadelnutzholz, d. h. 1 800 zuſammen auf mindeſtens 11 000 Kubikmtr. Hölzer, d. h. 7350 Tonnen geſchätzt.

Auch den Abſatz von Getreide aus Oberheſſen wird die Schiffbarmachung der Lahn durch Verbilligung der Transportkoſten, wie ſchon oben ausgeführt, bedeutend erleichtern. Es betragen jetzt die Frachtkoſten auf der Eiſenbahn für 10 Tonnen Getreide von Gießen nach Frankfurt a. M. 39 Mk., Frankfurt a. M.⸗Hafen 41,40 Mk., nach Coblenz 63 Mk., nach Mannheim 79 Mk., Mannheim⸗Induſtriehafen 74 Mk. und nach Straßburg ſogar 140 Mk. Bei Benutzung des Waſſerweges ab Gießen würden ſich die Frachten für die gleiche Getreidemenge nach Coblenz vorausſichtlich nur auf 20 Mk., nach Mannheim auf 30 bis 35 Mk. und nach Straßburg auf 40 bis 50 Mk. ſtellen. Daß ſich bei ſolchen Frachtermäßigungen eine außerordentliche Erweiterung des Abſatzgebietes für oberheſſiſches Getreide erzielen läßt, liegt offen zu Tage. Wenn auch die Ernteerträgniſſe von Jahr zu Jahr ſchwanken, ſo kann doch angenommen werden, daß jährlich 5 10 000 Tonnen Getreide zum Verſand über Gießen kommen können.

Düngemittel kommen nur für den Empfang in Betracht und zwar in erſter Linie Chileſalpeter und daneben auch Thomasmehl und in geringerer Menge Phosphate. Der Bezug von Chileſalpeter erfolgt jetzt zum Teil über die deutſchen Nord⸗ ſeehäfen und dann mit der Eiſenbahn oder über niederländiſche Häfen auf dem Rheine. Dabei ſtellt ſich die Benutzung des Waſſerweges von Rotterdam nach Guſtavsburg Mainz, zuweilen nach Frankfurt a. M. und oft ſogar bis Mannheim und von da ab der Bezug per Bahn noch billiger, als der direkte Bezug per Bahn von den deutſchen Nordſeehäfen. Die Schiffbarmachung der Lahn bis Gießen würde die Frachtkoſten zum Vorteil der Landwirtſchaft noch mehr ermäßigen. Der jährliche Empfang an Düngemitteln wird bei Benutzung des Waſſerweges bis Gießen auf rund 6000 Tonnen geſchätzt.

Futtermittel zahlen jetzt von Rotterdam nach Frankfurt a. M. für 10 Tonnen etwa 40 Mk. Schiffsfracht. Von Frankfurt a. M. bis Gießen beträgt die Fracht 26 Mk., wozu noch 2,40 Mk. Hafengebühren kommen. Dieſer Betrag von 28,40 Mk. würde erſpart werden, wenn die Lahn bis Gießen ſchiffbar gemacht würde. Der jähr⸗ tiche Bezug an Futtermitteln auf dem Waſſerwege über Gießen iſt auf etwa 6000 Ton⸗ nen zu veranſchlagen.

Von der allergrößten Bedeutung würden die zu erhoffenden Frachtermäßigungen ſodann für den Kohlenbezug ſein. Im Durchſchnitt beträgt jetzt die Eiſenbahn fracht von den Kohlenverſandſtationen an der Ruhr bis Gießen 60 Mk. für 10 Tonnen,