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tarife veranlaßt. Am 10. Auguſt 1902 wurden die früheren Einheitsſätze von 1,5 Pfg. auf 1,25 Pfg. pro Tonnen⸗Kilometer ermäßigt. Demgemäß haben jetzt die oberheſſiſchen Brauneiſenſteine von Mücke bis Wetzlar eine Fracht von 12 Mk. für 10 Tonnen und von Mücke bis Siegen 26 Mk. zu zahlen. Nach den niederrheiniſch⸗weſtfäliſchen Stati⸗ onen würde ſich die Fracht von Mücke ab auf 44—47 Mk. für 10 Tonnen(Mücke— Hörde 44 Mk., Mücke— Mühlheim a. Ruhr 45 Mk., Mücke—Ruhrort 46 Mk., Mücke— Borbeck 47 Mk.) ſtellen, doch iſt dieſer Satz zu hoch, um den oberheſſiſchen Brauneiſen⸗ ſteingruben den Abſatz dorthin jetzt noch zu geſtatten. Für die Verſandſtation Gießen ſtellen ſich die Frachten nach den niederrheiniſch⸗weſtfäliſchen Hüttenſtationen auf 34— 36 Mk. für 10 Tonnen(Gießen—Hörde 34 Mk., Gießen—Mühlheim a. Ruhr 35 Mk., Gießen — Ruhrort 36 Mk., Gießen—Borbeck 36 Mk.). Die in der Lindenermark bei Gießen geförderten Manganerze benutzen zum großen Teil die Eiſenbahn nur bis Oberlahnſtein. Die Fracht beträgt bis zum dortigen Hafen 23,50 Mk. für 10 Tonnen.
Wie hoch ſich die Frachten auf der kanaliſierten Lahn ſtellen werden, läßt ſich nicht genau angeben. Für die folgenden Angaben wurden diejenigen Sätze in Rechnung geſtellt, die von der Königlichen Waſſerbauinſpektion in Diez a. d. Lahn ihren Erheb⸗ ungen zu Grunde gelegt wurden, nämlich auf der Lahn, einſchließlich aller Nebenkoſten, rund 1 Pfg. pro Tonnenkilometer, wovon etwa die eine Hälfte auf die Fracht, die andere Hälfte auf Abgaben kommen würde, ferner auf dem Rheine ſtromaufwärts 0,68 Pfg. pro Tonnenkilometer, ſtromabwärts 0,34 Pfg. pro Tonnenkilometer. Ferner iſt an⸗ genommen, daß ein Umladen an der Labnmündung nicht ſtattzufinden braucht.
Unter dieſen Vorausſetzungen würde ſich die Benutzung des Waſſerweges von Gießen bis Ruhrort auf rund 21 Mk. für 10 Tonnen gegenüber 36 Mk. Bahnfracht, von Mücke bis Ruhrort auf rund 32,50 Mk. gegenüber 46 Mk. Wahmfracht ſtellen, wobei für das Umladen in das Schiff 1,50 Mk. für 10 Tonnen in Anſatz gekommen ſind.
Bei dieſen Frachtermäßigungen iſt der oberheſſiſche Eiſenerzbergbau einer ganz bedeutenden Ausdehnung fähig. Die Brauneiſenſteingruben des Vogelsberges würden bei ſolchen Sätzen jährlich mindeſtens 50 000 Tonnen Brauneiſenſteine auf der Lahn über Gießen zum Verſand bringen und am Niederrhein vorausſichtlich wieder Fuß faſſen können. An Manganerzen iſt ein jährlicher Verſand von 100 000 Tonnen ab Gießen zu erwarten, der ebenfalls nach den niederrheiniſchen Hütten erfolgen würde. Dieſe Verſandziffer würde ſich pro Jahr noch um 50 000 Tonnen erhöhen, wenn gleich⸗ zeitig die Moſel und Saar kanaliſiert würden, da dann die oberheſſiſchen Manganerze auch in größerem Maßſtabe in den Hüttenwerken an der Saar verwendet werden könnten.
Insgeſamt iſt hiernach bei Schiffbarmachung der Lahn bis Gießen ein jährlicher Verſand an Eiſenerzen von mindeſtens 150 000 bis 200 000 Tonnen zu erwarten.
Auch die Erzeugniſſe der oberheſſiſchen Hartſteininduſtrie haben jetzt, wie oben ausgeführt, bei den namentlich auf größere Entfernungen noch immer reichlich hohen Eiſenbahnfrachten ein eng begrenztes Abſatzgebiet. So beträgt z. B. die Bahn⸗ fracht für 10 Tonnen Pflaſterſteine von Nieder⸗Ofleiden bis Coblenz 49 Mk., bis Mainz 42 Mk., bis Mannheim 53 Mk., bis Bonn 59 Mk. und bis Cöln 61 Mk., während ſich bei Benutzung des Waſſerweges über Gießen die Transportkoſten von Nieder⸗Ofleiden bis Coblenz auf nur 32,50 Mk., bis Mainz auf 38 Mk., bis Mannheim auf 43 Mk., bis Bonn auf 35 Mk. und bis Cöln auf 36 Mk. ſtellen würden. Während jetzt von Nieder⸗Ofleiden bis Naſſau 43 Mk. Bahnfracht zu zahlen ſind, würde bei Benutzung des Waſſerweges mit denſelben Frachtkoſten ein Transport bis Mannheim erfolgen können. Es iſt beſtimmt zu erwarten, daß bei ſolchen Transportſätzen die Erzeugniſſe der ober— heſſiſchen Baſaltinduſtrie auch am Rheine ſich ein Abſatzgebiet werden erringen können. Der jährliche Verſand an Baſaltſteinen auf der kanaliſierten Lahn iſt auf wenigſtens 60 000 Tonnen zu veranſchlagen.
Auch für die Tonwaren⸗-⸗ und Steinfabrikation der Provinz Ober⸗ heſſen iſt eine erhebliche Frachtermäßigung zu erwarten, die einen jährlichen Verſand von 10 000 Tonnen auf der Lahn zulaſſen wird.
Auf den oberheſſiſchen Holzhandel wird die Schiffbarmachung der Lahn beſonders fördernd einwirken, weil ein großer Teil des Abſatzes nach den rheiniſch— weſtfäliſchen Grubenſtationen erfolgt, die vielfach in der Nähe des Waſſerweges liegen. Wenn dieſem Verſande auch jest ſchon ermäßigte Tarife zur Verfügung ſtehen, ſo würde doch die Fracht bei Benutzung des Waſſerweges ſich für manche Sendungen zum Vor⸗ teile der oberheſſiſchen Waldbeſitzer und des Holzhandels noch weſentlich vermindern laſſen. Die Bahnfracht für Grubenholzſendungen beträgt jetzt von Gießen bis


