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ermäßigungen nach weiter entfernt gelegenen Abſatzgebieten. Ausländiſche, insbeſondere ſchwediſche Steine ſind daher in der Lage, bei den billigen Waſſerfrachten den hieſigen Werken bis tief in das Binnenland hinein empfindliche Konkurrenz zu bereiten. Das aus verſchiedenen Gründen erfolgte Stilllegen von Steinbrüchen am Rheine drängt die Hart⸗ ſteininduſtrie immer mehr in die Seitentäler hinein. Die Schiffbarmachung der Lahn bis Gießen würde durch die Gewährung niedrigerer Frachtſätze den oberheſſiſchen und den benachbarten preußiſchen Baſaltſteinbrüchen neue Abſatzgebiete erſchließen und ihnen eine ſehr weſentliche Betriebserweiterung geſtatten. Auch hier könnte durch beſſere Ab⸗ ſatzverhältniſſe der Produkte, ebenſo wie bei dem oberheſſiſchen Eiſenſteinbergbau, einem Teile der jetzt nach Weſtfalen gehenden Arbeiter in der Heimat eine lohnende Erwerbs⸗ quelle geſchaffen werden, zumal noch an zahlreichen Stellen, z. B. in den Gießener Stadtwaldungen, Steinbrüche aufgeſchloſſen oder erweitert werden könnten und die Be⸗ nutzung und Ausbeutung der für Bauſteine vorzüglichen ſogenannten Lungſteine noch einer erheblichen Zunahme fähig iſt. Auch die Sandſteingewinnung könnte bei beſſeren Abſatzbedingungen im Lumdatale wieder aufblühen.
Ferner dürfte an Produkten der Ziegeleien und Tonwarenfabrikation, die namentlich in der Umgegend von Gießen hergeſtellt werden, bei hinreichender Fracht⸗ ermäßigung ein weſentlicher Maſſengütertransport auf dem Waſſerwege über Gießen zu erwarten ſein. Schon jetzt iſt der Verſand dieſer Produkte über Gießen von Bedeutung, wie aus den folgenden Zahlen hervorgeht. Der Verſand an Ziegeln, Ton⸗ ſteinen und Backſteinen von der Station Gießen betrug in den letzten Jahren(in Tonnen):
1900: 20 299, 1901: 21 969, 1902: 26 111, 1903: 25 207.
Noch eine Reihe weiterer Artikel aus der Induſtrie der Steine und Erden würden bei Schiffbarmachung der Lahn vorausſichtlich für den Schiffahrtsverkehr in Betracht kommen, wie Bauxite und beſonders Quarzite aus dem Lumda⸗- und Wettertal. Von Rockenberg werden zur Zeit über Butzbach im Jahre faſt 1000 Waggons Quarzite an den Niederrhein verſandt, die auf 2000 Waggons im Jahre ſteigen könnten. Die Benutzung der im Vogelsberg weitverbreiteten Bauxite hat jetzt erſt begonnen.
Für den Empfang in Gießen würde von Geſteinen auf der kanaliſierten Lahn neben anderen Artikeln Schiefer aus den Brüchen an der Lahn und der Moſel zu erwarten ſein. Eine Umladung in Eiſenbahnwaggons iſt hier mit Schwierig⸗ keiten verbunden, ſodaß trotz ausgedehnter Verwendung das Verkehrsgebiet für Schiefer vorausſichtlich auf Gießen und deſſen nähere Umgebung beſchränkt ſein würde. Dagegen würden für den Bezug über Gießen bei Benutzung des billigen Schiffahrtsweges Bau⸗ materialien aller Art noch in Betracht kommen.
Von hervorragender Bedeutung iſt in Oberheſſen der Holzhandel. Ein großer Teil der Provinz iſt mit ausgedehnten Waldungen bedeckt, und es findet ein ſtarker Verſand von Gruben- und Nutzholz nach Rheinland-Weſtfalen, nach Luxemburg, der Saar und teilweiſe bis nach Belgien hin ſtatt. Da jeder Holzkäufer den Wert des Holzes am Beſtimmungsorte berechnet, ſo wird in letzter Linie der Waldbeſitzer aus einer Verbilligung des Transportes Vorteile ziehen. Eine Verbilligung der Holzfrachten wird daher nicht nur den oberheſſiſchen Hölzern weitere Abſatzgebiete erſchließen und ſie in ihrer Konkurrenzfähigkeit ſtärken, ſondern auch den Waldbeſitzern höhere Erträgniſſe aus ihren Waldungen ſichern. Da der heſſiſche Staat der größte Waldbeſitzer iſt, ſo wird auch der heſſiſche Staat den größten Nutzen von einer Verbilligung des Trans⸗ portes haben. Aber auch den Kommunen und den ſtandesherrlichen Forſtverwaltungen wird eine Frachtermäßigung für Holz aus demſelben Grunde Vorteile bringen.
Entſprechend der großen Ausdehnung der Landwirtſchaft im Verkehrsgebiete der Lahn nimmt auch der Handel mit Getreide, Dünge⸗ und Futter⸗ mitteln in der Provinz Oberheſſen und den benachbarten preußiſchen Landesteilen eine wichtige Stellung ein.
In der Provinz Oberheſſen wurden an Getreide geerntet(in Tonnen):
Im Jahre 1890 1895 1900 1903 Weizen. 42 481 32 055 48 057 47 521
Roggen 30 616 31 879 37 065 45 645
Gerſte 37 589 31 048 38 298 38 349
Hafer. 41 821 41 218 56 548 59 490 Die Menge des geernteten Weizens war demnach im Jahre 1900 um 13,12% größer als im Jahre 1890, und die Roggenernte war im Jahre 1900 gegenüber der⸗ jenigen von 1890 um 21,06% geſtiegen, während die Bevölkerung der Provinz Ober⸗


