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in Lollar ſtatt. Die wirtſchaftliche Bedeutung des Lollarer Hochofens geht aus der folgenden Zuſammenſtellung der Roheiſenproduktion und der beſchäftigten Arbeiter nebſt der von dieſen ernährten Familienangehörigen hervor. Es betrugen:
In den Menge Wert Mittlere Von dieſen
Jahr des Gießereiroheiſens Arbeiter⸗ ernährte
Jahren in Tonnen! in Mark zahl Angehörige 1900 26 259 1 628 000 179 570 1901 26 220 1 756 800 157 542 1902 25 395 1 525 000 145 598 1903 25 194 1 511 700 191 617
Auf dem Werke werden jährlich etwa 60 000 Tonnen Eiſenerze verhüttet und 40 000 Tonnen Koks und etwa 25 000 Tonnen Kalkſteine verbraucht. Wie der ober⸗ heſſiſche Eiſenſteinbergbau, ſo leidet auch die Hütteninduſtrie unter den hohen Fracht⸗ ſätzen. Die Lollarer Hütte liegt von allen Hochöfen des Dill- und Lahngebietes am weiteſten von dem Kohlenrevier entfernt und iſt daher durch die Frachten für Hütten— koks am meiſten belaſtet. Eine Ermäßigung der Brennmaterialfrachten iſt für ſie von der größten Wichtigkeit und wird dazu beitragen, die in den letzten Jahren verminderte Roheiſenproduktion zu vermehren, wovon auch der oberheſſiſche Brauneiſenſteinbergbau Vorteile haben wird.
Eiſengießereien befinden ſich im nördlichen Oberheſſen in Lollar, Gießen und bei Laubach. Wenn auch das Rohmaterial vielfach aus der Nähe bezogen werden kann, ſo müſſen doch manche Eiſenſorten von weit entfernten Werken zugekauft werden, ſodaß die Ermäßigung der Frachtkoſten auch für ſie nicht ohne Intereſſe ſein würde.
Große Bedeutung wird die Schiffbarmachung der Lahn bis Gießen für die Induſtrie der Steine und Erden im nördlichen Teile der Provinz Oberheſſen erlangen. Nach der Berufsſtatiſtik vom Jahre 1895, die inzwiſchen aber ſchon weit überholt iſt, waren in dieſem Jahre im nördlichen Teile von Oberheſſen, d. h. in den Kreiſen Gießen, Alsfeld und Lauterbach 827 Perſonen in den hier in Betracht kommenden Betrieben beſchäftigt, auf die insgeſamt 1216 Angehörige kamen. Es fanden alſo in dieſen Induſtriezweigen in den genannten drei Kreiſen rund 2050 Perſonen ihren Unterhalt. Die Beſchäftigung erfolgte hauptſächlich in Ziegeleien, Tonwarenfabriken, Steinbrüchen und bei der Bearbeitung von Steinen uſw. In der Nähe der Lahn liegen ausgedehnte Kalkwerke, doch kommen dieſe für den Schiffahrtsverkehr bis Gießen nicht in Betracht. Von der allergrößten Wichtigkeit wird dagegen die Schiffbarmachung der Lahn für die oberheſſiſche Baſaltinduſtrie ſein. Der Vogelsberg bildet bekanntlich die größte Baſaltmaſſe im Deutſchen Reiche. Neun Zehntel dieſer Baſalte kommen allerdings für Bau- und Straßenzwecke nicht in Frage. Aber wenn auch nur ein Zehntel zur weiteren Verwendung geeignet iſt, ſo genügt dieſe Menge doch voll⸗ kommen, um einer mächtigen Steininduſtrie dauernde Beſchäftigung zu gewähren. Baſaltſteinbrüche befinden ſich an den Gehängen des Vogelsberges in großer Anzahl. Die wichtigſten Brüche und Schotterwerke im nordweſtlichen Teile der Provinz liegen bei Ober⸗ Widdersheim, Lollar, Londorf, Keſſelbach, Nieder⸗Ofleiden und Ehringshauſen. Der Ver⸗ ſand an Pflaſterſteinen und Steinſchrotten auf den Stationen Ehringshauſen, Lollar, Londorf, Ober⸗Widdersheim und Nieder⸗Ofleiden erreichte in den letzten Jahren fol⸗ gende Höhe(in Tonnen):
Im Jahre V 1900 1901 1902 1903 Ehringshauſen. 15 601 17 220 14 993 14 269 Lollar.... 10 262 13 932 14 965 14 599 Londorf... 17 244 27 202 22 613 22 847 Ob.⸗Widdershm. 12 988 25 924 16 692 25 194 Nieder⸗Ofleiden.U.— 21 586 27 4599 43 891
Zuſammen ¶ 56 095 115 864 96 722 120 800
Weiter könnten hier die Säulenbaſalte von Lauterbach in Betracht kommen, die als ganze Säulen ſchon heute über Gießen hinaus verſandt werden.
Wie der Eiſenſteinbergbau, ſo leidet auch die oberheſſiſche Baſaltinduſtrie infolge der hohen Eiſenbahnfrachten unter ungünſtigen Abſatzverhältniſſen. Die hier in Betracht kommenden Verſandſtationen haben zwar einen Ausnahmetarif, doch beſchränkt ſich deſſen Geltungsbereich auf die nächſtgelegenen Bahnlinien, und er gewährt keine Fracht⸗


