— 4—
Beleihungen erfolgt ſind, werden zur Zeit doch nur in zwei Betrieben in der Gegend von Mücke und Niederohmen Brauneiſenſteine in größerem Maſßſtabe gefördert. Ueber die Natur des Erzvorkommens war ſeither noch wenig bekannt. Neuere Unter⸗ ſuchungen und die Erfahrung bei den im Betriebe befindlichen Bergwerken ſprechen da⸗ für, daß die oberheſſiſchen Eiſenſteinlager in Gebieten vorkommen, wo große Bruch— zonen oder ſchmale tektoniſche Gräben den Vogelsberg durchziehen. Die Brauneiſenſtein⸗ lager ſind an Spalten angeſchloſſen, die den ſonſt ſtrahlenförmig gebauten Vogelsberg von Norden nach Süden oder von Oſten nach Weſten durchſetzen.
Die oberheſſiſchen Brauneiſenſteine ſind arm an Mangan- und Phosplorgehalt, eignen ſich aber wegen ihrer leichten Schmelzbarkeit und des dadurch bedingten geringeren Koksbedarfes vorzüglich zur Verhüttung. Durch Waſchen und Sortieren des Erzes ge— lingt es, deſſen Eiſengehalt auf 40— 50% und mehr zu ſteigern. Der Abſatz des ober⸗ heſſiſchen Brauneiſenſteins erſtreckt ſich auf die Hüttenwerke des Lahn-, Dill- und Sieg⸗ gebietes. Von den Hütten des Niederrheins iſt er durch die lothringiſche Minette voll— ſtändig verdrängt worden, und auch in den näher gelegenen Abſatzgebieten tritt ihm ſchon der ſcharfe Wettbewerb dieſes durch niedrige Geſtehungskoſten und hohen Phos⸗ phorſäuregehalt begünſtigten Erzes entgegen. Das Beſtreben des oberheſſiſchen Braun⸗ eiſenſteinbergbaues geht daher darauf hinaus, niedrigere Frachtſätze für den Erzverſand zu erhalten, um ſeine jetzigen Abſatzgebiete im Kampfe mit der immer mehr vor⸗ dringenden Minette zu behalten und wenn möglich einen Teil der verloren gegangenen Gebiete wieder zu erlangen. Der Bergbau des Vogelsberges befindet ſich in einer beſonders ungünſtigen Lage, weil er gegenüber den anderen Eiſenſteingruben an der Lahn noch die Fracht von Mücke bis Gießen bezw. Wetzlar zu tragen hat. Wenn trotzdem noch große Werke ſich auf die Dauer erhalten haben, ſo war dies nur bei einem rationellen Betriebe und der Anlage ausgezeichneter Förderungseinrichtungen mög⸗ lich, während der von anderen auswärtigen Hüttenunternehmungen nur in günſtigen Zeiten betriebene haſtige Abbau bei einem Wechſel der Konjunktur aufhörte. Die jetzige Notlage des oberheſſiſchen Brauneiſenſteinbergbaues wird aber auf die Dauer nicht zu ertragen ſein. Die Hebung des Erzbergbaues im Vogelsberg liegt im allgemeinen In⸗ tereſſe, und darum iſt die Forderung niedriger Frachtſätze ein berechtigtes Verlangen. Es würde dann ein großer Teil der jetzt nach den weſtfäliſchen Induſtrieplätzen gehen⸗ den Arbeiter des Vogelsberges in der Heimat ſeinen Erwerb finden können und der zunehmenden Entvölkerung jenes Gebietes vorgebeugt werden. Die Ergebniſſe der bis jetzt unterſuchten Brauneiſenſteinlager haben erkennen laſſen, daß noch ſehr ausgedehnte Erzvorräte der Erſchließung harren. Die unterſuchten Felder berechtigen zu der ſicheren Annahme, daß bei einer Verdoppelung des jetzigen Förderquantums dieſe Lager noch mindeſtens 25 Jahre lang abbauwürdig ſind. Es iſt weiterhin auf Grund der bisherigen Unterſuchungen anzunehmen, daß die jetzt ſtillliegenden Gruben ferner noch Jahrzehnte lang in erheblichem Umfange abgebaut werden können, wenn nur hinreichend billige Transportverhältniſſe zur Verfügung ſtehen.
Nach den Ausweiſen der Eiſenbahnverkehrsſtatiſtik erreichte in den letzten Jahren der Verſand von Eiſenerz von den Stationen im nördlichen Oberheſſen folgende Höhe(in Tonnen):
Im 1900 1901 V 1902 1903 Dahre Gießen.. 99 300 83 996 99 273 133 023 Grünberg. 645 478 587— Hungen. 4 609 5 314 6 061 4 205 Lieh.. 120 120 50 144 Lumda. 8 847 7 115 7 671 2 246 Mücke.. 54 869 53 752 51 951 54 377 Villingen. 1 532 100 175 205
Zuſammen 169 922 ⁰ 150 875 165 768 194 200 Außerdem wurden in dieſen vier Jahren noch von der Station Abendſtern aus den Gruben bei Bieber in der preußiſchen Provinz Heſſen⸗Naſſau folgende Erzmengen verſandt, die ſämtlich nach Neunkirchen zur Verhüttung gingen: 1900: 21 923, 1901: 23 757, 1902: 32 171, 1903: 33809 Tonnen. Ein weiterer Induſtriezweig im Verkehrsgebiete der bis Gießen zu kanaliſierenden Lahn iſt die Hütteninduſtrie. Eiſenverhüttung findet in Oberheſſen jetzt nur noch


