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Die Schiffbarmachung der Lahn von der Mündung bis Gießen / die Großherzogliche Handelskammer, der Vorsitzende Koch, der Eynditus: Dr. Knipper
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Neben der Landwirtſchaft befinden ſich in dem Verkehrsgebiete mehrere Induſtrie⸗ zweige, die einen erheblichen Maſſengüterverkehr beſitzen und die nur günſtigerer Fracht verhältniſſe bedürfen, um ihre Betriebe noch weiter auszudehnen.

Eiſenerzbergbau wird in Oberheſſen und in der preußiſchen Provinz Heſſen⸗ Naſſau betrieben. In der Provinz Oberheſſen ſind ausgedehnte Eiſenerzlager vorhanden, die aber zu einem Teile noch nicht genügend durchforſcht ſind und noch der Ausbeute harren. Grubenfelder ſind in ſehr großer Zahl verliehen, doch findet ein regelmäßiger und rationeller Bergbaubetrieb nur an wenigen Stellen ſtatt. Die wichtigſten der im Betriebe begriffenen Gruben liegen bei Gießen und in der weiteren Umgebung von Mücke. Die Zuſammenſetzung der Erze iſt nicht überall gleich, ſondern es beſteht viel⸗ mehr eine große Verſchiedenheit zwiſchen den bei Mücke und den in der Lindenermark bei Gießen geförderten Erzen. Während die bei Mücke gewonnenen Brauneiſenſteine nur wenig Mangan enthalten, ſind die in der Lindenermark geförderten Erze ſtark manganhaltig, ſodaß ſie vielfach kurzweg als Manganerze bezeichnet werden.

Ueber die wirtſchaftliche Bedeutung des oberheſſiſchen Eiſenerzberg- baues gibt die folgende Zuſammenſtellung der Förderung und der von dem Bergbau ernährten Arbeiter und Familienangehörigen Aufſchluß:

Es betrugen:

In den der ſefaehe aeinteen Miiiliar, Ness dieſeß Jahren und Manganerze Arbeiter⸗ ernährte in Tonnen in Mark zahl Angehörige

1892 134 835 966 140 746 1755 1893 119 816 868 334 679 1492 1894 133 587 983 467 742 1268 1895 124 418 929 278 774 1421 1896 159 116 1 221 390 841 1664 1897 177 398 1 408 076 915 1666 1898 135 697 1 082 665 740 1555 1899 138 834 V 1 151 408 874 2536 1900 182 208 1 568 045 1175 2537 1901 163 173 1 707 709 1103 2500 1 1902 161 516 1 372 924 964 1694 1903 201 633 1 612 370 1043 2129

Der Bergbaubetrieb der Gewerkſchaft Gießener Braunſteinbergwerke vorm. Fernie zu Gießen iſt ſchon alt. Von reinen Manganerzen wird namentlich Pyroluſit in größeren Mengen gewonnen und verwertet. Den eigentlichen Gegenſtand des Bergbaues bilden jedoch die ſtark manganhaltigen Eiſenerze, die 10 bis 22% Mangan und ebenſoviel Eiſen in umgekehrtem Verhältniſſe enthalten. Das im Handel bekannte Fernieerz enthält etwa 20% Mangan und 20% Eiſen. Nach den uns vorliegenden Angaben wurden von 1891 bis 1899 rund 811000 Tonnen Erze verſandt und von da ab bis zum September 1903 weitere 349 408 Tonnen, zuſammen alſo in dieſer Zeit 1160 408 Tonnen. Ende 1903 arbeitete die Gewerkſchaft mit einer Belegſchaft von 587 Mann und 17 Beamten und Arbeitern. Das Grubenfeld wird fortgeſetzt durch Eintreiben von Bohrlöchern unterſucht, und es ſteht bereits jetzt feſt, daß noch mehrere Millionen Tonnen Erze der Ausbeute harren und der Betrieb des Bergwerkes noch lange Jahre lohnen wird. Der Abſatz der Fernieerze erfolgt in der Hauptſache nach den rheiniſch-weſtfäliſchen Hütten. Die meiſten Erze gehen von Gießen aus mit der Bahn nach Oberlahnſtein und werden hier in Rheinſchiffe umgeladen. Auch von den Hütten im Siegerlande, in Luxemburg und an der Saar wird Fernieerz als Zuſchlags⸗ erz zur Herſtellung von Spiegeleiſen bezogen.

In Oberheſſen werden Manganerze weiter in einem ausſichtsreichen Betriebe bei Oberrosbach nächſt Friedberg gefördert, der in der letzten Zeit einen neuen Auf ſchwung genommen hat und mit einer neuen Anſchlußbahn täglich mehrere Doppel⸗ waggons verfrachtet. Auch dieſe Erze haben ein weiteres Abſatzgebiet. Weiter ſüdlich nach Köppern zu ſchließen ſich Erzfelder an, die der Förderung harren. Erhebliche Manganerzlager ſcheinen auch weſtlich von Langgöns an der preußiſchen Grenze vor handen zu ſein. Angaben über die Mächtigkeit dieſer Lager ſtehen uns nicht zu Verfügung.

Der Brauneiſenſteinbergbau wird in der Provinz Oberheſſen ebenfalls ſeit langer Zeit betrieben. Obwohl ausgedehnte Lagerſtätten vorhanden und zahlreiche