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Unter jenen Umſtänden lag es nahe, die Frage aufzuwerfen, ob nicht kombinierte Syſtem für die Altſtadt vorzuziehen ſei bei einer Kanaliſation der A bezirke nach dem Trennſyſtem In dem Promemoria unſeres Stadtbaumeiſters! dieſe Frage bejaht und meines Erachtens mit Recht. Je dichter bevölkert ein e. teil iſt, je reger und verkehrsreicher die Straßen ſind und je ſtärker die zu wäſſernden Höfe mit organiſchen Abfallſtoffen, Pferdemiſt u. dgl., verunreinigt we um ſo weniger werden die Vorteile des Trennſyſtems zur Geltung kommen kön denn vielfach wird das von den Straßen und Höfen abfließende Regenwaſſe ſtark verunreinigt ſein, daß ſeine direkte Einleitung in die Flußläufe unerwünſcht erſch Es wird alſo auch bei der Wahl des Trennſyſtems unter ſolchen Umſtänden hältnismäßig viel Regenwaſſer den Schmutzſielen zugeführt werden müſſen.— der beſchränkten Ausdehnung der tief gelegenen Teile der Altſtadt würden andt ſeits bei einer Kanaliſierung nach dem kombinierten Syſtem die dieſem Syſteme haftenden Hauptübelſtände nicht bezw. nur in beſchränktem Umfange hervorte Wie aus dem Promemoria unſeres Stadtbaumeiſters hervorgeht, iſt derſelbe in Ue einſtimmung mit den Berechnungen des Lindley'ſchen Projektes der Meinung, das von Lindley projektierte einheitliche Hauptſiel der Altſtadt neben den Schn wäſſern der ganzen Stadt auch noch die Regenwäſſer der geſamten, innerhalh Stadtringgrabens gelegenen Altſtadt aufzunehmen im ſtande iſt, ohne daß bei ſogenannten Sturzregen Notausläſſe erforderlich wären. Die der da zugeführten Regenwäſſer würden dabei an Menge immerhin relativ gering blat und ihrer Beſchaffenheit nach größtentheils es rechtfertigen, daß man ſie durch Kläranlage hindurchführt. Hierzu kommt, daß wichtige Vorzüge des kombinim Syſtems gerade in unſerer dicht bevölkerten und tief liegenden Altſtadt mit engen Straßen nicht zu unterſchätzen ſind, wie beiſpielsweiſe die Erniedrigungt Grundwaſſerſtandes durch die größeren Siele, ferner das Vorhandenſein nur d Abwaſſerkanals in jeder Straße und die dadurch gegebene Erleichterung der O anſchlüſſe.
Ob nicht einzelne Teile der Altſtadt in Anbetracht ihrer höheren Lagen ihrer weniger dichten Bebauung noch mit beſonderen Regenſielen verſehen wer könnten, iſt meines Erachtens eine techniſch noch zu prüfende Frage. In je weiten Umfange dieſelbe bejaht werden kann, um ſo weniger wird bei Sturzregen ein T laufen des Hauptſiels und ein Rückſtau des Sielinhalts in den Keller zu befürchtenſt
Einige Worte mögen hier noch bezüglich der Behandlung der Abwäſſert den gewerblichen und induſtriellen Betrieben der Stadt angefügt ſein. Man in dieſer Beziehung ſelbſtverſtändlich den einzelnen Fall zu prüfen haben. Einſ Condenswaſſer würden unbedenklich in die Regenwaſſer⸗Kanäle eingeleitet weu können. Andererſeits wäre beiſpielsweiſe zu erwägen, ob die Einleitung der unrei Abwäſſer unſerer großen Brauereien in die Schmutzwaſſerkanäle ohne weiterest erſt nach einer vorgängigen Reinigung zu geſtatten wäre. Ich mache in dieſer! ziehung auf die beträchtlichen Verunreinigungen aufmerkſam, welche zur Zeitk Klingelbach durch die Abwäſſer der Aktienbrauerei erfährt.
Bei den vorſtehenden Erörterungen, die mich in allen weſentlichen Pun zu denſelben Schlüſſen haben kommen laſſen, wie ſie in dem Promemoria unſct Stadtbaumeiſters gezogen worden ſind, nur daß ich das nach dem einheitlichen Siſſt zu kanaliſierende Gebiet der Altſtadt tunlichſt beſchränkt wiſſen möchte, habe ich n im Rahmen der vorliegenden neueren Projekte, derjenigen von Lindley und Herzberg, gehalten. Es bleibt noch die Frage zu erörtern, ob nicht auch für! Altſtadt das Trennſyſtem durchgeführt werden könnte, wenn man hier das Shont oder Druckluftſyſtem wählen würde. Bei dieſem Syſtem werden die Schmutzwit in eiſernen, unter dem Straßenpflaſter gelegenen Behältern, ſogenannten Ejet ſtationen, geſammelt. Iſt ein Behälter gefüllt, ſo öffnet ſich ſelbſtthätig der H einer Druckluftleitung, und die Schmutzwäſſer werden unter ſelbſtthätigem Klapl verſchluß der Zulaufröhren durch einen verhältnismäßig engen Rohrkanal, der! greiflicherweiſe, weil von der Terrain⸗Geſtaltung ganz unabhängig, überall wiß tief zu liegen braucht, nach der Endſtation fortgedrückt. In verſchiedenen engliſtt Städten oder Teilen derſelben funktioniert dieſes Syſtem in zufriedenſtellender W Ich ſelbſt habe es in einer indiſchen Stadt(Karachi) aus eigener Anſchauung kem gelernt, wo es ſich nach Mitteilung des leitenden Ingenieurs ebenfalls bewährt 1 In Deutſchland hat es neuerdings die Aufmerkſamkeit in erhöhtem Maße auf


