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Vorlage über die Kanalisation der Stadt Gießen / der Oberbürgermeister: Gnauth
Entstehung
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nikern, noch erheblich auseinander, wie das beſonders die im September 1897 gehabten Verhandlungen des Deutſchen Vereins für öffentliche Geſundheitspflen zeigt haben, denen das ThemaVorteile und Nachteile der getrennten Abfitß der Meteorwäſſer bei der Kanaliſation der Städte zu Grunde lag. Den in gemeinen dem Trennſyſtem günſtigen Schlußſätzen ſtellten zwei hervorragende niker, Baurat Stübben und Ingenieur Lindley, folgenden Eventualantrag gegen Der Verein ſpricht ſeine Anſicht dahin aus, daß bei den Vorarbeiten für die wäſſerung von Städten die Frage, ob die Einleitung der Meteorwäſſer in Schwemmkanalſyſtem für die ganze Stadt oder für einzelne Stadtteile zwech iſt oder nicht, in jedem Einzelfalle nach Maßgabe der örtlichen Verhältniſſe zu ſcheiden iſt. Zur Abſtimmung wurden weder die Schlußſätze der Referenten der angeführte Eventual⸗Antrag geſtellt.

Vollſtändig nach dem Trennſyſtem iſt neuerdings, und zwar ſeit A 1896, Steglitz bei Berlin kanaliſiert. Nach einem kürzlich veröffentlichten Be (referiert im techniſchen Gemeindeblatt 1898, No. 17) funktioniert die Anlagen welche etwa 18 500 Einwohner angeſchloſſen ſind, zur vollen Zufriedenheit. ſehr unbedeutende Vorflutbach, welcher die Regenwäſſer aufzunehmen hat, ſoll wn lich günſtigere Zuſtände aufweiſen, als vor der Kanaliſation. Die Koſten der lage werden auf die Hälfte derjenigen geſchätzt, welche der Bau des kombinn Schwemmſyſtems erfordert haben würde.

Grundſätzlich iſt für Gießen das Trennungsſyſtem zu bevorzugen

auf das als bekannt vorauszuſetzende eingehende Promemoria unſeres Stadtbaumt

Wende ich mich nach dieſen allgemeinen Erörterungen, die ich in 1 habe kurz faſſen können, unſeren Gießener Verhältniſſen zu, ſo ſprechen meines Erag

in der That gewichtige Gründe dafür, das Trennſyſtem grundſätzlich zu bevorzu In erſter Linie kommt hier in Betracht, daß nur bei Anwendung des Ae ſyſtems die Waſſerläufe im Bereiche der Stadt, die Lahn und die Wieſeck, dam

frei von Verunreinigung durch die aus den Häuſern abgeſchwemmten Schmutt gehalten werden können. Bei dem einheitlichen Syſtem iſt es ſchon bei einer 5

für die ſtärkſten Regengüſſe ausreichend bemeſſen werden können. Dieſes Su bedarf vielmehr der ſogenannten Notausläſſe oder Regenüberfälle, welche zur ſtärkerer Niederſchläge das Kanalſyſtem entlaſten. So ſind denn auch bei Lindley'ſchen Kanaliſations⸗Projekte ſieben derartige Regenausläſſe in Lahn

Wieſeck vorgeſehen, zu denen bei allmählicher Ausdehnung der Bebauungsgt noch weitere hinzukommen müßten. Allerdings ſollen dieſe Ausläſſe ihre Funkit

von der Größe Gießens ganz ausgeſchloſſen, daß die Dimenſionen der Kanäle

erſt beginnen, wenn die Menge des in das Kanalſyſtem eintretenden Regenw etwa der dreifachen Menge des Schmutzwaſſers gleichkommt. Auch ſoll dann zund nur ein Auslaß benutzt werden, bei fünf- bis ſechsfacher Verdünnung außeln ein zweiter und dritter, bei neunfacher Verdünnung ein vierter und ſo fort. oft im Jahre die Notausläſſe in Thätigkeit treten würden, iſt zumal wegen Man der erforderlichen, die zeitlichen Verhältniſſe genügend berückſichtigenden R. Meſſungen nicht mit Sicherheit im voraus zu ſagen. Nach einer vom Bau Herzberg aufgeſtellten annähernden Berechnung würden ſie durchſchnittlich an! als 40 Tagen im Jahre funktionieren müſſen. Mag dieſe Zahl auch zu hoch griffen ſein, jedenfalls wird man die von unſerem Stadtbaumeiſter gehegte Beit tung als berechtigt anerkennen müſſen, d durch die Notausläſſe für die 3 ſowohl wie namentlich für die Wieſeck im Bereiche der Stadt zeitweilig ſehr Zuſtände(Ablagerung von Fäkalien, Kloſetpapieren und dergleichen auf den 8 ufern) entſtehen können. Bedeuten die Notausläſſe ſchon für die an waſſerrit und ſchnell fließenden Flüſſen gelegenen Städte eine höchſt unangenehme Zu zur Kanaliſation, ſo erſcheinen ſie für Gießen in Anbetracht der Beſchaffenheit Lahn und Wieſeck doppelt bedenklich.

Für grundſätzliche Bevorzugung des Trennſyſtems ſpricht zweitens der! ſtand, daß eine Reinigung der Schmutzwäſſer vor ihrer Einleitung in die 1 wegen der ſpäter noch zu beſprechenden örtlichen Verhältniſſe nicht zu umgehen wird, und daß es mit Rückſicht hierauf in hohem Grade erwünſcht iſt, die Reinigungs⸗Anlage zufließenden Kanalwäſſer nicht den erheblichen Schwanku in Quantität und Qualität auszuſetzen, wie ſie durch Einführung der Regenw