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Vorlage über die Kanalisation der Stadt Gießen / der Oberbürgermeister: Gnauth
Entstehung
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Wie dieſen Zwecken, insbeſondere auch bei ſpäterer Einführung der Fäkalien, bei gleichzeitiger Anlage von etwa 15 Notausläſſen im Bereich der Stadt nach Ring graben, Wieſeck und Lahn, entſprochen werden ſoll, geht aus dem Projekt nicht hervor und dürfte auch ſchwerlich zu erreichen ſein. Die angeſtellten Berechnungen über die Senkung des Grundwaſſerſpiegels haben wenig Wert, inſolange die den⸗ ſelben zu Grunde liegenden Annahmen anfechtbare ſind. Da das Projekt auch im übrigen verſchiedene Mängel zeigt, und ein zweites, beſſeres Projekt nach dem gleichen Syſtem vorliegt, ſo ſoll auf das erſtere hier nicht weiter eingegangen werden.

projekt II von Lindley.

Das Projekt von Lindley beruht ebenfalls auf dem kombinierten Syſtem, iſt aber nach großen Geſichtspunkten ſehr klar durchgearbeitet und als eine geſchickte Löſung der höchſt ſchwierigen Aufgabe zu bezeichnen. Auch iſt darin der künftigen Entwickelung der Stadt in weitgehendem Maße Rechnung getragen. Man könnte dieſen Entwurf ohne weiteres der Ausführung zu Grunde legen, wenn man ſich nicht an der Höhe der Koſten für Bau und Betrieb ſtößt und die 6 bis 7 Notausläſſe im Bereich der Stadt als unvermeidlich mit in den Kauf nehmen will.

Nach dieſem Projekt erhält jede Straße ein Siel, dem aller Regen und aller ſchwemmbare Unrat einſchließlich der Fäkalien zugeführt wird. Die einzelnen Straßen⸗ ſiele vereinigen ſich zuHauptſielen und dieſe münden in einHauptauslaßſiel, durch welches ihr Inhalt bis zur Klärſtation und durch dieſe der Lahn, weit unter⸗ halb der Stadt, zugeführt wird. Das Kanalnetz iſt in allen Stadtteilen nach dem⸗ ſelben Prinzip der Einheitlichkeit geſtaltet, was unbeſtreitbar als ein großer Vorzug gelten muß; die Entwäſſerung der Stadt iſt auch bei den höchſten Lahnwaſſerſtänden geſichert. Der Betrieb der Anlage geſtaltet ſich dagegen weniger einheitlich, inſo⸗ fern mit ſteigenden Waſſerſtänden der Lahn und gleichzeitigem ſtarkem Regen die Außenbezirke der Stadt nacheinander ausgeſchaltet, d. h. in ihrem Hauptſiel abgeſperrt werden müſſen. Alsdann ergießt ſich durch die Notausläſſe alles Regenwaſſer, mit Spüljauche vermiſcht, in die offenen Waſſerläufe innerhalb der Stadt. Wenn dieſe Thätigkeit der Notausläſſe in der Regel auch keine ſehr häufige ſein mag, ſo erſcheint ſie doch hygieniſch und äſthetiſch bedenklich. Man beachte, daß die äußeren Stadt⸗ teile ſich zuſehends ausdehnen und dichter bebaut werden. Die Nothausläſſe werden daher künftig zugleich mit dem Regenwaſſer beträchtliche Mengen von Spüljauche, vermiſcht mit Kloſetpapier und geformten Fäkalien, ausſpeien. Dabei iſt zu beachten, daß die Wieſeck nach dem Projekt auch bei Niederwaſſer geſtaut werden ſoll und daß der Rückſtau der Lahn zuzeiten bis an die Goethe⸗ und Bismarckſtraße heraufgeht. Die oben genannten, in der Spüljauche ſchwimmenden Stoffe werden ſich in ſolchen Fällen beim Ablauf des Waſſers auf den flachen Ufern des Wieſeckbettes abſetzen, wodurch höchſt ekelerregende Zuſtände entſtehen können. Aehnliche Verhältniſſe liegen bei der durch die Wehre angeſtauten Lahn vor, die ſehr viel zum Baden benutzt wird.

In den Hauptſielen der Außenbezirke werden ſich infolge der zeitweiſen Abſperrung ſtärkere Niederſchläge bilden, deren Beſeitigung von Hand erfolgen muß und daher den Betrieb der Anlage nicht unweſentlich verteuern wird. Dasſelbe gilt für die Klärbecken, in welche von den Straßen größere Mengen von Sand ein geſchwemmt werden und wieder beſeitigt werden müſſen. Die Mengen des zu klären⸗ den Waſſers und des verbleibenden Klärſchlammes ſind beträchtlich. Die Unter⸗ bringung des letzteren verurſacht größeren Städten, die nach dem kombinierten Syſtem kanaliſiert ſind, ſchon jetzt fortgeſetzt viele Verlegenheiten.

Zu dieſen Nachteilen können ſich bei ſtarken Regengüſſen leicht lokale Stau⸗ ungen innerhalb einzelner Siele geſellen, welche ein Austreten des Kanalinhalts in die an das Sielnetz angeſchloſſenen Kellerräume zur Folge haben und in dieſen daher wieder den Einbau von Rückſtauventilen erfordern.

projekt III von Herzberg.

Dieſes dritte Projekt iſt ein generelles mit Planſkizze und hat dasTrennungs⸗ ſyſtem zur Grundlage. Danach würde jede Straße zwei Siele erhalten, eines für die Meteorwäſſer, das andere für die Schmutzwäſſer und Fäkalien. Da die Siele für die erſteren kein zuſammenhängendes Netz bilden, ſondern aus einer Anzahl von Stichkanälen beſtehen, ſo erfordern ſie weit geringere Querſchnitte, als die begehbaren Hauptſiele eines kombinierten Syſtems und ſind daher billiger. Dieſer Vorteil wird