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gegen einander verſchoben ſind. Man trifft daher faſt nirgends einen zuſam hängenden Grundwaſſerſpiegel oder gar einen Grundwaſſerſtrom von beſtim Richtung(wie in der Rhein- und Mainebene) an. Das Grundwaſſer ſammelt vielmehr in einzelnen unterirdiſchen Neſtern und Mulden ſolange an, bis es den Rand derſelben abfließen kann, entweder durch lockere Bodenſchichten oder
menten, welche infolge von Faltungen, Verwerfungen und dergleichen faſt 1
Einſchnitte, wie Gräben, Stadtbäche, Hausfundamente und Kellerräume.
Senkung des Grundwaſſerſpiegels.
Bei einer ſyſtematiſchen Kanaliſation werden die Ränder der genannten 1 und Mulden faſt allenthalben durchſchnitten und das Erdreich längs der Siele! infolge des Aushubs und Wiederbeifüllens der Baugrube gelockert. Hierdurch! dem Grundwaſſer ein leichterer Abzug gewährt, und es muß ſich daher der Spiegel ſelben an allen kanaliſierten Straßen und Hofraiten ſenken. Man hat dies üb— dort beobachtet, wo nicht gerade ein kontinuierlicher und mächtiger Grundwaſſerſt nach einem großen Fluſſe hin geht.
Iſt der Untergrund einer Stadt wenig durchläſſig oder infolge jahrhunde langer Schmutzzufuhr verſeucht— wie an manchen Stellen der Altſtadt hier— muß bei Ausführung einer Kanaliſation der Aushub der Baugrube beſeitigt durch geſundes, einwandfreies Material erſetzt werden(Flußkies, reiner Sand u. den Das Grundwaſſer findet alsdann längs der Siele leichteren Abfluß.
üygieniſcher Einfluß der Senkung des Grundwaſſerſpiegels.
Die Hygieniker haben wiederholt darauf hingewieſen, wie wichtig es iſt,! Grundwaſſerſtände in bewohnten Orten zu ſenken, um den damit verbundenen, die Geſundheit nachteiligen häufigen Wechſel in der Durchnäſſung und Wie austrocknung der oberen Bodenſchichten zu beſeitigen. Insbeſondere ſind diejem menſchlichen Wohnungen als ungeſund zu bezeichnen, deren Grundmauern Waſſer durchtränkt und deren Wände infolge des kapillaren Aufſteigens von Guu waſſer durchnäßt und daher luftundurchläſſig und kalt werden. Der große W der Senkung des Grundwaſſers durch eine ſyſtematiſche Kanaliſation iſt daher verkennbar.
Finanzielle Verhältniſſe der Stadt Gießen.
Die Finanzen der Stadt Gießen befinden ſich in geſunden und geordnt Verhältniſſen. Die durch eine ſyſtematiſche Kanaliſation in den nächſten Jahren! ſtehende Mehrbelaſtung legt der Bevölkerung der Stadt zwar ein weiteres 9 auf, das jedoch um ſo bereitwilliger getragen werden dürfte, als es einen nicht unterſchätzenden Gewinn in geſundheitlicher Beziehung, namentlich für die im Stadt, bringen wird,— in demſelben Maße, wie die ſegensreiche Einführung Quellwaſſerverſorgung. Die Verbeſſerung der Geſundheitsverhältniſſe ſtärkt u kräftigt die Erwerbsfähigkeit der Bevölkerung. Man wird bei der Wahl des(. wäſſerungsſyſtems aber darauf zu achten haben, welches derſelben das für Git im weiteſten Sinne wirtſchaftlich beſte iſt.
Vorliegende Preojekte.
Für die Stadt Gießen liegen nunmehr drei generelle Kanaliſationsproh vor, und es wird der Stadtvorſtand zu entſcheiden haben, ob eines dieſer Proſt und welches derſelben der Ausführung der Entwäſſerungsanlage zu Grunde gl werden ſoll.
projekt I von Steuernagel.
Dieſes erſte Projekt beruht auf dem„kombinierten Syſtem“ und auf Vorausſetzung, daß die Fäkalien„zunächſt“ den Kanälen ferngehalten,„even ſpäter aber in dieſelben aufgenommen werden ſollen“. Der Stadtbach ſoll beſein der Stadtringgraben dagegen erhalten bleiben, zum Teil vertieft werden und alsde zur Aufnahme von Regen- und Grundwaſſer, ſowie zu Spülzwecken dienen. Es! ihm deshalb auch alles Schmutzwaſſer ferngehalten werden. Es ſoll als en Grundſatz gelten, daß„ſämtliche häuslichen Brauchwaſſer, die Fabrikwaſſer, ſowie atmoſphäriſchen Niederſchläge möglichſt am Orte ihres Entſtehens durch geſchloſſ Rohrleitungen aufgenommen und in der Regel vereinigt in einem Rohr in techn vollkommener und ſanitär befriedigender Weiſe thunlichſt raſch außerhalb des Stu weichbildes geführt werden“.


