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bringen und die Trockenlegung der naſſen und feuchten Wohnungen und Kellerräume ermöglichen.“ Inwieweit dieſe zu erreichen ſind, hängt von den örtlichen Verhält⸗ niſſen einer Stadt ab, worunter nicht nur die rein techniſchen, ſondern auch die hygieniſchen und finanziellen Verhältniſſe derſelben zu verſtehen ſind.
Topographiſche Verhältniſſe von Gießen.
Die Betrachtung der topographiſchen Verhältniſſe ergibt, daß die Entwäſſerung von Gießen durch zwei Faktoren beſonders erſchwert wird. Es ſind dies die flache und tiefe Lage der inneren Stadt, noch unter den höheren Waſſerſtänden der Lahn, und der Umſtand, daß letztere gerade unterhalb der Stadt ein ſehr ſchlechtes Gefälle hat, auch zu Zeiten tiefen Standes nur eine geringe Waſſermaſſe führt. Bei Ein⸗ leitung größerer Mengen von Schmutzwaſſer in den Fluß wird es daher nicht zu
umgehen ſein, dieſelben einer mechaniſchen Reinigung zu unterwerfen.
Die Stadtbäche.
Ferner ſind zu berückſichtigen die verſchiedenen Waſſeradern(Stadtbäche), welche die innere Stadt durchfließen und von der Lahn geſpeiſt werden. Dieſelben dienen hauptſächlich zur Entwäſſerung und nur in ſehr geringem Maße zu gewerb— lichen Zwecken. Sie zerfallen in zwei Teile:
1. Den eigentlichen von der Lahn abgezweigten Stadtbach, welcher die Innenſtadt durchſtrömt und nach Teilung in zwei ſich wieder vereinigende Arme mit dieſen die älteſten Teile der Stadt umſchließt;
2. den Stadtringgraben, auch„Schoorgraben“ genannt, der von erſterem abzweigt und ſich gleichfalls in zwei Arme teilt, welche der früheren Um⸗ wallung folgen. Dieſe Arme vereinigen ſich oberhalb des Ausgerinnes wieder mit der Stadtbach.
Durch das Ausgerinne dieſer Stadtbäche wird gegenwärtig aller ſchwemm⸗ bare Unrat, jedoch ohne Fäkalien, der Wieſeck unweit der Bahnhofſtraße zugeführt, an der Stelle, wo ſie den Eiſenbahndamm durchbricht.
Jetziger Betrieb.
Bei ſteigendem Waſſer der Lahn wird das Eingerinne der Stadtbäche ab— geſperrt, um die tieferen Teile und die Keller der inneren Stadt vor Ueberflutung zu ſchützen. Da aber Wieſeck und Lahn bei Hochwaſſer bis in das Stadtinnere durch das Ausgerinne der Stadtbäche zurückſtauen, ſo muß auch dieſes zeitweiſe geſchloſſen und der Zufluß zu den Stadtbächen alsdann durch Ueberpumpen entfernt werden.
Stadtbäche und RKanaliſation.
Die Frage, ob und inwieweit die Stadtbäche bei einer ſyſtematiſchen Kanali⸗ ſation zu erhalten bezw. in das Syſtem derſelben einzufügen ſind, iſt wie folgt zu beantworten:
Die verſchiedenen Zweige des„eigentlichen Stadtbachs“ liegen nicht in den Straßen, ſondern inmitten der Häuſerblöcke; ſie ſind daher zur Entwäſſerung der erſteren ungeeignet und werden bei der Anlage neuer Siele überflüſſig. Es empfiehlt ſich daher, den Stadtbach nach Ausführung der Kanaliſation zu verfüllen, ſchon um deſſen mißbräuchliche Benützung zu verhindern.
Dagegen kann der„Stadtringgraben“ erhalten bleiben, als Annehmlich⸗ keit für die ſtädtiſchen Anlagen und eventuell zur Benutzung für Spülzwecke. Seine Lage und leichte Zugänglichkeit wird ermöglichen, alle Schmutzzufuhr künftig von ihm fern zu halten. Er wird dann nur reines Lahnwaſſer aufnehmen und ſeine Abſperrung bei Hochwaſſer für niemand läſtig ſein. Bei ſtarkem Regen wäre er wie jetzt durch Ueberpumpen oder in ſonſtiger Weiſe zu entlaſten, entſprechend den geringen Zuflüſſen aus der inneren Stadt.
Untergrund der Stadt Gießen.
Wichtig für die Ausführung einer Kanaliſation iſt die Beſchaffenheit des Bodens, auf welchem die Stadt ſich aufbaut.
Nach den Beobachtungen und Erfahrungen des Unterzeichneten beſteht der Untergrund von Gießen weniger aus jüngeren Alluvionen, als aus älteren Sedi⸗


