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Vorlage über die Kanalisation der Stadt Gießen / der Oberbürgermeister: Gnauth
Entstehung
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durch die Ausführung des Projektes zu erreichenden Vorteile im Verhältnis zu Koſten ſeiner Anlage, wie ſeines Betriebes? 5. Iſt es zuläſſig und ohne erheh doppelte Koſten möglich, nach Ausführung des Projektes auch die Fäkalien zuführen? 6. Verneinendenfalles, welche Ergänzungen und annähernden Mehu zu dem Projekt werden bei Einführung der Fäkalien nötig werden?

Herr Lindley hat vorgeſchlagen und die ſtädtiſche Vertretung ſich einverſtanden erklärt, daß ſeine Begutachtung mit den von ihm zu machenden änderungsvorſchlägen niedergelegt werde in einem neuen, ſelbſtändigen Projekt, auch er hat dafür zunächſt noch weiterer Vorarbeiten bedurft, an Vermeſſu Nivellements und örtlichen Unterſuchungen in Bezug auf Lahnwaſſerſtände, Vo verhältniſſe, Kellertiefen ꝛc. Bei der Bearbeitung dieſes neuen(zweiten) Pro waren aber auch die in der Einleitung aufgeführten neuen Geſichtspunkte zu vern geweſen, wie ſie aus den Erörterungen über die Selbſtreinigung der Flüſſe und der genehmigten Einleitung aller Marburger Abwäſſer in die Lahn ohne vorſ chemiſche Klärung derſelben ſich ergaben, während überdies mit der Ausſiche die Herſtellung einer weſtlichen Bahnhofzufuhrſtraße und auf eine Entwicklum Stadt in jener Richtung unter allen Umſtänden eine Modifikation des Steuernagell Projektes hinſichtlich der Lage der Ausmündungsſtelle veranlaßt war. Auch Jahre 1893 unerläßlich gewordene umfaſſende Erweiterung und Verbeſſerung Waſſerverſorgung Gießens hat in zweifacher Richtung die Aufſtellung des zuß Kanaliſationsprojektes beeinflußt: zunächſt dadurch, daß mit der für 1894/9 Ausſicht genommenen erheblichen Ermäßigung des Waſſerpreiſes auch auf eine mehrung der Waſſerkloſets und damit wiederum auf eine Verſtärkung des Wum nach alsbaldiger Einführung auch der Fäkalien in die Kanäle gerechnet werden m weiterhin aber auch inſofern, als vor glücklicher Löſung der zu rund 600 000 veranſchlagten neuen(Queckborner) Waſſerverſorgung an eine erfolgreiche Vo des Kanaliſationsprojektes aus naheliegenden Gründen nicht wohl zu denken waß

Unterm 25. März 1895 hat Herr Lindley ſein weitſichtig angelegtes, durchdachtes Projekt vorgelegt, deſſen Erläuterungsbericht und Koſtenüberſchlag Anlage III im Auszug enthalten ſind: der Koſtenanſchlag, welcher die geſa Sielanlagen, demnach auch ſämtliche Haupt- und Nebenſiele, wie ſie in der wei Zukunft nach dem derzeit aufgeſtellten Bebauungsplan erforderlich werden, um ſchließt mit einer Endziffer von 2 900 000, worin die Koſten derjenigen Sielſtre deren Ausführung alsbald und in der nächſten Zukunft erforderlich würde, 1 840 000 erſcheinen, welche ſomit die eigentlich maßgebende Koſtenanſchlagst bilden. Dem Projekt war auch noch beigefügt worden eine Zuſammenſtellung vorausſichtlichen jährlichen Betriebskoſten der ganzen Kanaliſation, wonach dieſch betragen würden:

Klärbecken...... 8 300 Spiilungng..2 440 Sinkkaſten⸗Reinigung... 1 760

Zuſammen: 12 500

Beide Projekte(von Steuernagel und Lindley) waren darauf dem Ste bauamt mitgeteilt worden zur Einſichtnahme und Geltendmachung etwaiger Beden dieſe Außerung, d. d. 5. Oktober 1895, wurde zunächſt Herrn Lindley zur R äußerung mitgeteilt und nach Einlauf und Prüfung derſelben vom Stadtbauf unterm 11. Juni 1896 ein abſchließender Bericht über das Lindley'ſche Projekt erſte in welchem einzelne der erhobenen Bemerkungen aufrechterhalten, andere wieder fil gelaſſen waren.

In dieſes Stadium der Verhandlungen fiel ausgehend im weſentli von einem anläßlich der Berliner Gewerbe⸗Ausſtellung gehaltenen Vortrag Herzbe über die Kanaliſation kleiner und mittlerer Städte und den daran in der Fu litteratur ſich knüpfenden Beſprechungen die erneute und vertiefte Beſchäftigt mit der Frage der getrennten Abführung der Meteorwäſſer: der Wunſch, für endgültige Entſchließung der Stadtverordneten⸗Verſammlung über die Kanaliſant unſerer Stadt auch noch nutzbar zu machen die hier einſchlagenden Verhandlumg der bevorſtehenden 1897er Jahresverſammlung des Deutſchen Vereins für öffentlt Geſundheitspflege, bei dieſer Entſchließung aber auch nicht zu entbehren des Beira des damals in Indien befindlichen Stadtverordneten Dr. Gaffky, empfahl, die ſchlußfaſſung der Stadtverordneten⸗Verſammlung zunächſt zu verſchieben, bis