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Vorlage über die Kanalisation der Stadt Gießen / der Oberbürgermeister: Gnauth
Entstehung
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Koſten, und der Verfaſſer des im Jahre 1895 vorgelegten zweiten Projektes hag alsbaldige Einführung der Fäkalien entſchieden befürwortet und dementſprechend ſeinen Entwurf im einzelnen geſtaltet. Erleichtert wurde ſolche Behandlung Frage allerdings auch gerade für Gießen noch beſonders dadurch, daß einerſeits dem Zurückweichen der landwirtſchaftlichen Betriebe in der Stadt und mit ſteigenden Forderungen, welche die Landwirte für die Abfuhr des durch die Zun der Waſſerkloſets immer mehr verdünnten Grubeninhalts ſtellten, auch zurückt durfte die gerne bethätigte Rückſichtnahme auf das, der Einführung der Fäkalie die Kanäle entgegenſtehende Intereſſe der hieſigen Landwirte, und daß ande durch die Kanaliſation der lahnaufwärts gelegenen Stadt Marburg und die führung der dortigen Abwäſſer und Fäkalien in den Fluß ein für Gießen in facher Hinſicht lehrreicher, mehrfach geradezu maßgebender Vorgang geſchaffen

Aber noch in einer zweiten Richtung haben gerade die letzten, ſeit der gehenden Beſchäftigung mit unſerer Kanaliſation verfloſſenen Jahre eine Klä um nicht zu ſagen einen Umſchwung gebracht: hinſichtlich der Frage der getrenm

Abführung der Meteor⸗(Regen⸗)wäſſer einerſeits und der häuslichen Abwäſſer, einſch lich der Fäkalien anderſeits, ſo wie dieſelbe insbeſondere auf der Karlsruher 9 verſammlung des Deutſchen Vereins für öffentliche Geſundheitspflege im Herbſt 1897 Gegenſtand der Verhandlungen gemacht worden war. Man hat danach in erhöhtem G wiederum ſich frei gemacht von der vielfach unbewußt erwachſenen Gewohnheit der modernen ſyſtematiſchen Kanaliſation einer Stadt eigentlich nur noch zu denken an kombinierte Schwemmſſſtem, wie es in den für die Kanaliſation bahnbrechend weſenen Großſtädten vorzugsweiſe zur Ausführung gekommen war, und man insbeſondere auch die grundſätzlichen Vorzüge mehr gewürdigt, welche naturge aus der getrennten Abführung und unterſchiedlichen Behandlung der nach M und Zuſammenſetzung ſo grundverſchiedenen Meteor⸗ und Hauswäſſer ſich erge ganz abgeſehen von den in der Ortlichkeit gelegenen, für unſer Gießen unſte vorliegenden, ſtarken Gründen für eine weitgehende Durchführung ſolcher Trem in der einzelnen Stadt. Während in dieſer Hinſicht für unſer erſtes Kanaliſati projekt wenigſtens der Grundſatz ausgeſprochen war, daß Regen- und Draim waſſer nach Möglichkeit dem Kanalnetz fernzuhalten und überall, wo dieſes am direkt oder durch beſondere kurze Regenkanäle den beſtehenden Waſſerläufen zu weiſen ſei, iſt das zweite Projekt ausſchließlich nach dem kombinierten Syſtem ange Wohl gerechtfertigt war danach der unter dem Eindruck der vorerwähnten Karl Verhandlungen gefaßte Entſchluß der ſtädtiſchen Vertretung, ungeachtet der dad bedingten abermaligen Verzögerung durch Ausarbeitung eines weiteren, due Projektes nochmals prüfen zu laſſen, ob und inwieweit etwa das Syſtem der trennten Abführung der Meteorwäſſer für Gießen ſich empfehle.

Im Zuſammenhang damit ſei es mir geſtattet, des Einfluſſes noch e zu gedenken, welchen der im Jahre 1896 in die Stadtverordneten⸗Verſammlung getretene Profeſſor der Hygiene an der Landesuniverſität, Geheimer Medizina Dr. Gaffky ſeitdem auf die Behandlung dieſer ganzen Frage ausgeübt hat, und Danke Ausdruck zu geben, welchen dafür mit der geſamten ſtädtiſchen Verwalt insbeſondere der Unterzeichnete ihm ſchuldet.

Nach Einlauf jenes dritten Projektes und eingehender Prüfung und Erörten desſelben ſind inzwiſchen die geſamten hier einſchlagenden Vorarbeiten ſo weit gediegn daß nunmehr auch entſcheidender Beſchluß darüber gefaßt werden kann, wie einzelnen die Kanaliſation unſerer Stadt zur Ausführung gebracht werden ſalle eingehende Promemoria des Stadtbaurates(Anl. V) und das darüber erſta Gutachten des Herrn Stadtverordneten Dr. Gaffky(Anl. VI) behandeln alle hier Betracht kommenden Fragen ſo eingehend und überzeugend, daß ich meinerſeits darauf beſchränken kann, im Nachſtehenden und in den Anlagen nur noch e gedrängten Überblick zu geben über den Verlauf und den weſentlichen Inhalt ſeitherigen Arbeiten.

Zur Sache ſelbſt kann ich nur bitten, den Schlußfolgerungen des Promemd und des Gutachtens in allen Teilen beizutreten und zu beſchließen, danach nu mehr die Kanaliſation unſerer Stadt zur Ausführung zu bringe eine der wichtigſten Aufgaben meines Amtes wäre damit gelöſt, ſpäter allerdin als vordem ich ſelbſt es gehofft und gewünſcht.