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Das "Studentenwerk Gießen e.V." : (vormals Gießener Studentenhilfe) : ein Beitrag zu seiner Geschichte / von Emil Kraus
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waren allerdings immer noch verhältnismäßig hoch. DasEger⸗ heim erwies ſich als ſegensreiche Einrichtung und war dauernd voll belegt.

Das Arbeitsamt konnte angeſichts der ſich entwickelnden Arbeits⸗ loſigkeit, die im Jahre 1925 bereits die Fahl von einer Million Arbeitsloſe erreichte, immer weniger helfen. Vorübergehend war es möglich, Studenten beim Theater als Statiſten zu beſchäftigen. Ein ſtudentiſches Orcheſter, auf deſſen Entwicklung ſpäter noch eingegangen werden ſoll, wurde gegründet.

Aber mehr und mehr wurde in den folgenden Jahren dem Stu⸗ denten die Möglichkeit genommen, Werkarbeit zu leiſten; doppelt zu bedauern wegen ihrer erzieheriſchen Wirkung und wegen der mit ihr ausfallenden Möglichkeit, ſelbſt durch Arbeit die Grund⸗ lage für das Studium zu ſchaffen. Der minderbemittelte Student wurde mehr und mehr auf die Notwendigkeit verwieſen, die Dar⸗ lehnskaſſe und die Einzelfürſorge in Anſpruch zu nehmen. Beide Einrichtungen wurden bedeutend vergrößert. Beſonderes Augen⸗ merk wurde der Tuberkuloſefürſorge zugewandt, für deren 5wecke von der Studentenſchaft ein Semeſterbeitrag von 1 Mk. erhoben wurde. Ein neuer Zweig war die Fürſorge für die Angehörigen der deutſchen Studienſtiftung. Das Vergünſtigungsamt, das im Jahre 1928 gebildet wurde, hatte die Aufgabe, durch Abmachungen mit Gießener Firmen und den Behörden den minderbemittelten Studierenden gewiſſe Vorzüge zu verſchaffen. Hierher gehören: verbilligter Bücherbezug, Nachläſſe auf Brennmaterialien, Schuh⸗ reparaturen, beim Sriſeur, Theaterbeſuch uſw. Gleichzeitig mit dieſen Einrichtungen wuchſen auch die Schwierigkeiten einer rich⸗ tigen Auswahl; denn keineswegs ſollte durch die Einrichtungen der Studentenhilfe der Entwicklung eines akademiſchen Proletariats Vorſchub geleiſtet werden.

Beſondere Bedeutung erlangte noch das Werbeamt wegen der Notwendigkeit, neue Hilfsquellen zu erſchließen. An die Stelle der immer mehr ſchwindenden Zuwendungen aus privaten und Wirt⸗ ſchaftskreiſen mußten ſolche aus öffentlichen Mitteln treten. Damit wuchs die Bedeutung der Preſſe. Ein Preſſeamt wurde neu ge⸗ bildet und Verbindung zu den miniſteriellen Stellen geſucht. Daß wohl die wertvollſte Werbearbeit der 1. Vorſitzende der Gießener Studentenhilfe geleiſtet hat, iſt zu allgemein bekannt, als daß ſie noch beſonders hervorgehoben werden müßte. Wer je am runden Tiſch derSchönen Ausſicht oder ſonſtwo mit Herrn Prof.

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