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Das "Studentenwerk Gießen e.V." : (vormals Gießener Studentenhilfe) : ein Beitrag zu seiner Geschichte / von Emil Kraus
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Toilettenräumen 28 Fimmer eingebaut, in denen 40 Studenten platz finden konnten. Die Fimmer wurden einfach eingerichtet: 2 Betten übereinander, Doppelſchrank, Doppelwaſchtiſch, 1 Tiſch, 2 Stühle und 1 Ofen. Die geſamte Möbeleinrichtung war von der heimiſchen Induſtrie geſtiftet worden. Die eine Hälfte des Neubaues war unterkellert und enthielt neben einem Arbeitsraum für den Gärtner noch verſchiedene Wirtſchafts⸗ und Kohlenkeller.

mMit Beginn des Sommerſemeſters 1924 wurde das neue Haus voll belegt. Der Mietpreis betrug je Bett und Monat 5 mk. (dazu kam 1,5o Mk. Bedienung und 1, 5o Mk. Frühſtück). Er⸗ freulicherweiſe geſtaltete ſich das Fuſammenleben trotz des ziemlich beſchränkten Raumes und der ſehr verſchiedenartigen Zuſammen⸗ ſetzung der Bewohner(Korporationsſtudenten und Freiſtudenten, hohe Semeſter und junge Füchſe) recht harmoniſch.

Im Huſammenhang mit dem Bau des Studentenwohnhauſes wurde auch das StudentenheimSchöne Ausſicht gründlich renoviert und ein Anbau errichtet, der eine Studentenwäſcherei auf⸗ nahm. Es war dies alles wie ſo vieles andere Herrn Dr. h. c. Humperdinck von den Buderuswerken in Wetzlar zu ver⸗ danken. Mit der Wäſcherei war ein weiterer Werkbetrieb ge⸗ ſchaffen, deſſen Einrichtung ſehr begrüßt wurde. Nicht nur, daß die Wäſche ſorgfältig mit der Hand gewaſchen und geplättet wurde, ſie wurde auch vollſtändig ausgebeſſert zurückgeliefert. Anzüge und ſonſtige Kleidungsſtücke konnten geflickt und aufgebügelt werden; nicht zu vergeſſen die Strümpfe, die ſorgfältig geſtopft wurden. Die armen Schweſtern! Am 1 2. Juli 1924 wurden die Neu⸗ anlagen auf derSchönen Ausſicht feierlich eingeweiht. Es waren der heſſiſche Staatspräſident und der Präſident des Heſ⸗ ſiſchen Landtages anweſend, außerdem viele andere Perſönlichkeiten. Die Damen der Gießener Geſellſchaft ließen es ſich nicht nehmen, die zahlreichen Gäſte feſtlich zu bewirten. Die geſamte Studenten⸗ ſchaft gab durch ihre eifrige Mitarbeit ein Zeichen ſchöner Eintracht. Für die Gießener Studentenhilfe bedeutete dieſes Feſt Krönung und Abſchluß einer geſunden Entwicklung. Dem Wunſche der Stu⸗ dentenſchaft entſprechend erhielt das Studentenwohnhaus den Namen Egerheim. Damit drückte ſie die große Dankbarkeit aus, die ſie für das Werk ihres Gründers empfand.

Die Entwicklung der ganzen ſtudentiſchen Wirtſchaftsarbeit läßt

ſich in zwei große Zeiträume teilen, die bedingt ſind durch die Ver⸗ änderung in den wirtſchaftlichen Verbältniſſen(Inflation, De⸗

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