Direktoren der Meguin⸗Werke Butzbach eine Gefangenenbaracke aus dem früheren Gefangenenlager auf dem Trieb angekauft werden konnte, kamen alte Pläne zur Verwirklichung. Am 21. Sep⸗ tember 1923 wurde der erſte Spatenſtich getan. Wieder traten die Studenten ſelbſt auf den Plan, nicht einzeln, ſondern in Maſſen. Die Baracke wurde auf dem Trieb abgeſchlagen und ſollte auf der „Schönen Ausſicht“ neu erſtehen, mit mancherlei Verbeſſerungen. Friſch ging es an die Ausſchachtungsarbeiten, ans Mörtelmiſchen und Steineſchleppen. Getragene Schuhe und Arbeitskittel aus der Amerikaſpende wurden ausgeteilt. Unruhig, wie die ganze Zeit, war auch das Leben der Studenten. Studium und Werkarbeit ſtanden nah beiſammen; man wußte nicht, wie man am kommenden Tage leben würde; das Eſſen, das zu Anfang des Jahres 1925 6o Mk. koſtete, ſtieg im Herbſt bis auf 200 Milliarden. Das eben erarbeitete Geld zerfloß in den Händen. Man fand ſchließlich ein einfaches Mittel, um ſich gegen die Entwertung zu ſchützen: man trug das Geld zu den Schweſtern und erhielt ein Margarinekonto eingerichtet, d. h. der einbezahlte Betrag wurde nach dem Tages⸗ preis in Margarine umgerechnet und ſo wertbeſtändig gutge⸗ ſchrieben. Oder man legte das Geld in Eſſenskarten an. Die In⸗ flation hatte ihren Höhepunkt erreicht, wiederum ſchwanden die mittel zum Weiterbauen, und wiederum griff die Induſtrie und der Staat helfend ein. Beſonders der Arbeitgeberverband für den Lahn⸗ und Dillkreis und Herr Direktor Dr. h. c. Humper⸗ dinck von Wetzlar ſetzten ſich ſehr für den Neubau ein, der nun in beſſerer Ausführung weitergeführt werden konnte. Stapel von Holz und Baumaterial waren auf einmal zur Verfügung; vom romantiſchen Wirtsgarten war nichts mehr zu ſehen. Und weil die Verhältniſſe noch ſehr unſicher waren— Holzſtehlen galt noch nicht wieder als ſehr großer Frevel—, ſo mußten Wachen auf⸗ geſtellt werden, die aufpaßten. Erſt mit Spatenſtielen und Holz⸗ latten, ſpäter mit Piſtolen und Taſchenlampen. Aus dieſem Wacht⸗ dienſt ergaben ſich für den einzelnen oft ſehr drollige Situationen; es gab Haſenfüße und vom Krieg her verwegene Burſchen, und der Spaß grenzte oft an ernſte Gefahr. Aber nie ſchwanden die Schwierigkeiten, die zu einem ernſten Werk gehören. Studenten arbeiteten zwiſchen den Wachen auf der Wachtſtube an ihren Examenarbeiten, und ſogar Dozenten nahmen oft an dieſen eigen⸗ artigen Dienſt⸗ und Arbeitsgemeinſchaften teil.
Fu Beginn des Jahres 1924 wurde der Neubau fertig. Es waren neben der Wohnung des Gärtners, einem Bad und den
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