Hier wurde auch mit Hilfe des Roten Kreuzes und des Chriſtlichen Studentenweltbundes ein Krankentiſch eingerichtet für kranke und unterernährte Studenten; es gab beſondere Zulagen an Fleiſch, Milch, Butter, Kakao uſw.
Um einerſeits den großen Bedarf der beiden Küchen an friſchen Gemüſen wenigſtens zum Teil ſelbſt zu decken, andererſeits einer Anzahl Studenten auch während des Semeſters erwünſchte Neben⸗ beſchäftigung zu bieten, wurden im Jahre 1922 unter der Leitung von Frau prof. Eger mehrere Gärten bewirtſchaftet, die der Studentenhilfe von privater Seite zur Verfügung geſtellt waren.
Fur Unterſtützung der Schweſtern wurde ein Arbeitsdienſt ein⸗ gerichtet. Jeder Heimbeſucher wurde verpflichtet, während des Se⸗ meſters an mehreren Tagen für das Heim Dienſte zu leiſten. Dazu gehörte das Kartoffelausladen, Kohlenſchippen, Holzſägen und das Sammeln von Lebensmitteln auf dem Lande.
Im Herbſt 1922, als die Inflation ſchon ſehr fühlbar wurde, kam eine ſehr hochherzige Stiftung des Herrn Dr. h. c. Keichardt von den Reichardt⸗Werken in Hamburg an die Uni⸗ verſität, und Seine Magnifizenz Herr Prof. Roloff ſtellte die ſehr beträchtlichen Mittel der Studentenhilfe für den Ankauf der „Schönen Ausſicht“ zur Verfügung. Mit dem Erwerb dieſer früheren Ausflugswirtſchaft mit großem Garten, Tennisplatz und zwei Wohnhäuſern begann für die Studentenhilfe geradezu eine neue Feit. Nicht nur, daß ſie damit feſte Werte und eigenen Grund und Boden bekam, auch die großen Entwicklungsmöglichkeiten waren gegeben: Platz für Werkbetriebe, Boden zum Anbau von Gemüſen, Baugelände für Studentenwohnungen.
Am 30. Oktober 1922 wurde das neue Studentenheim „Schöne Ausſicht“ feierlich eingeweiht. Der Betrieb war von Anfang an ſehr lebhaft, trotz ſchlechter Anmauſchwege und trotz der noch ſehr mangelhaften Einrichtung. Das Waſſer für den RKüchenbetrieb mußte an einem Pumpbrunnen geholt werden; die Schweſtern hatten keinen Raum, wo ſie ſich aufhalten konnten; um⸗ ziehen mußten ſie ſich hinter dem Küchenſchrank. Die Abortverhält⸗ niſſe waren durchaus ländlich. Der Hof war ein romantiſcher Wirtsgarten, praterhaft, mit Affenkaſten, Aquarium, vielen Sigu⸗ ren mit abgebrochenen Armen und Beinen, ein Karuſſell war vor⸗ handen zum Selbſtdrehen mit Muſik. Ein Muſikpavillon ſtand dort, wo ſpäter das Studentenwohnheim„Egerheim“ errichtet wurde. Davor ein Bretterboden zum Tanzen. Die ſpätere Bleich⸗ wieſe war noch in lauſchige Eckchen aufgeteilt, mit Staketen⸗
8
——
———⸗,— 8 omnm. G
—,—————


