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Das "Studentenwerk Gießen e.V." : (vormals Gießener Studentenhilfe) : ein Beitrag zu seiner Geschichte / von Emil Kraus
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jährliche Zuſchüſſe zu. Herr Miniſterialrat Dr. h. c. Löh⸗ lein zeigte ſich ſchon damals wie ſpäter noch oft als verſtändiger Freund der notleidenden Studentenſchaft. An der Univerſität wurde ein Studentenheimausſchuß gebildet unter der Leitung der Herren Prof. Schian und Eger, deſſen Aufgabe es war, die Zu⸗ wendungen des Staates zu verwalten, die Schweſtern mit Rat und Tat zu unterſtützen und nach Möglichkeit neue Mittel für das Heim flüſſig zu machen. Unter den Spendern, die damals den Fortbeſtand der Speiſungen ſichern halfen, ſeien vor allem der Religiöſen Geſellſchaft der Freunde(Quäker), des New Haven Relief Commitee, New Haven, Conn. USA. und der Euro⸗ päiſchen Studentenhilfe gedacht. Aber nicht nur dieſe momentane wirtſchaftliche Hilfe war für die Sache wertvoll, ſondern auch die Verbindung mit der Univerſität, die damit hergeſtellt war, bot den Schweſtern in ihrer ſchwierigen Arbeit einen ſtarken Kückhalt. Darüber hinaus war in Herrn Prof. Eger jene Perſönlichkeit für das Heim intereſſiert, die dann ſpäter das Werk der Gießener Studentenhilfe aufbauen half und bis heute noch an deſſen Spitze ſteht.

Bald nach dem Erlanger Studententag, am 19. Juli 1921, wurde nach der ſchon erwähnten Vorbeſprechung im großen Hör⸗ ſaal der Univerſität die Gründungsverſammlung der Gießener Studenten hilfe e. V. abgehalten. Die ſchon vor⸗ bereiteten Satzungen wurden angenommen; der darin vorgeſehene Ausſchuß aus acht nichtſtudentiſchen und ſieben vom Aſta be⸗ ſtimmten ſtudentiſchen Mitgliedern wurde gewählt. Der Vorſtand, dem große Handlungsfreiheit eingeräumt war, übernahm die Füh⸗ rung der Geſchäfte. An die Spitze trat als 1. Vorſitzender Herr Prof. Dr. Eger. Aufgabe des Vereins war, neben der Zu⸗ ſammenfaſſung aller ſchon beſtehenden Wirtſchaftseinrichtungen und der Schaffung von Werkbetrieben im Sinne der Erlanger Be⸗ ſchlüſſe, die tatkräftige Unterſtützung des Studentenheims.

Eine Fuweiſung der Wirtſchaftshilfe in Höhe von 25 000 Mk. ermöglichte die Einrichtung einer Leihbücherei, die in den Räumen der Univerſitätsbibliothek aufgeſtellt wurde, und die auf dem Ge⸗ danken aufgebaut war, Lehrbücher an bedürftige Studenten für längere Feit auszuleihen.

In der Zwiſchenzeit mußte das Verhältnis der Studentenhilfe zum Allenſteiner Verein, dem rechtlich immer noch das Studenten⸗ heim angehörte, geklärt werden; es war ein unhaltbarer Zuſtand, daß das Heim zwar wirtſchaftlich faſt vollſtändig von dem kapital⸗

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