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Das "Studentenwerk Gießen e.V." : (vormals Gießener Studentenhilfe) : ein Beitrag zu seiner Geschichte / von Emil Kraus
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einen Teil der Koſten des Studiums durch Werkarbeit während der Ferien oder auch während des Semeſters, die ihm durch das Arbeitsamt zu vermitteln iſt, zu verdienen. Erſt wenn er im Ver⸗ laufe der erſten Semeſter ſeine wiſſenſchaftliche, vornehmlich aber ſeine menſchliche Bewährung erwieſen hat, ſoll ihm bei der Fort⸗ ſetzung ſeines Studiums durch beſondere Unterſtützungen(Frei⸗ tiſche, Darlehen uſw.) geholfen werden. Die individuelle Einzel⸗ fürſorge ſoll grundſätzlich beſchränkt bleiben aufKranke, Prü⸗ fungs⸗ und Gelehrtenkandidaten und ſchließlich auf diejenigen Stu⸗ dierenden, die alle Mittel, ſich ſelbſt zu helfen, erſchöpft haben. Es ſollen an allen Hochſchulen zur Verbilligung der ſtudentiſchen Lebenshaltung Studentenſpeiſungen und andere Einrichtungen ge⸗ ſchaffen werden. Um alle dieſe Aufgaben durchführen zu können, iſt an jeder Hochſchule die Geſamtheit der Wirtſchaftseinrichtungen zuſammenzufaſſen zu einem lebensbeſtändigen, rechtsfähigen ſtuden⸗ tiſchen Wirtſchaftskörper in gemeinſamer Arbeit mit Dozenten und Freunden aus dem Wirtſchaftsleben.

Seine Aufgabe iſt nicht eine begrenzte, ſondern eine umfaſſende, nicht nur Zwiſchenhandelsausſchaltung oder Lebensmittelverbilli⸗ gung, ſondern Werkgemeinſchaft zur Sicherung des jetzigen und ſpäteren Lebens der Studierenden und damit des Beſtandes der Hochſchule. Der Wirtſchaftskörper iſt die Antwort der Studenten⸗ ſchaft jeder Hochſchule auf die drohende Vernichtung und die Not der Zeit, das ſichtbare Zeichen des Willens, an der Rettung Deutſch⸗ lands mitzuarbeiten.(Beſchluß des Erlanger Studententages.)

Der Erlanger Studententag gab die Anregung zu Vorbeſprechun⸗ gen, die in der erſten Julihälfte 19214 zum Zwecke der Gründung einer Gießener Studentenbhilfe gepflogen wurden. Schon war in Gießen viel geſchehen. Vor allem war hier ſchon ein Stu⸗ dentenheim, das die Speiſung übernommen hatte und auf deſſen Geſchichte noch beſonders einzugehen iſt. Aus der Studentenſchaft ſelbſt hatten ſich verſchiedene ÄAmter gebildet, die wirtſchaftlichen Fwecken dienten. So vor allem ein Arbeitsamt, das Ferienarbeit vermittelte; ein Vertreter der Studentenſchaft arbeitete auf dem Städtiſchen Arbeitsamt mit und ſtellte ſo eine wertvolle Verbindung zum Arbeitsmarkt her. Wenn trotzdem Angebot und Nachfrage ſehr gering geblieben waren, ſo lag es zweifellos daran, daß noch jede direkte Verbindung zu maßgebenden Arbeitgeberkreiſen fehlte. Ein Wohnungsamt vermittelte koſtenlos Wohngelegenheiten. Im Jahre 1920 war eine Kartothek angelegt worden, in die bei Ex⸗ matrikel frei werdende Wohnungen eingetragen wurden. Ein

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