Es galt damals, der immer größer werdenden wirtſchaftlichen Schwierigkeiten Herr zu werden; die Gefahr war groß, daß das Studium zu einem ausſchließlichen Vorrecht der ſehr begüterten Kreiſe würde. In Abwehr dieſer Gefahr entwickelten ſich aus den Kammern der Studentenſchaften an einzelnen Hochſchulen Wirt⸗ ſchaftsämter, die dem Fwecke dienten, eine Verbilligung der ſtuden⸗ tiſchen Lebenshaltung zu erreichen und darüber hinaus Arbeits⸗ gelegenheiten und Wohnungen zu beſchaffen. Vielfach verbanden ſich Studenten und Dozentenſchaft im Geiſte echter Kameradſchaft, um in gemeinſamer Arbeit der großen Not zu ſteuern, unter der die Studenten lebten.
Auf den verſchiedenen Studententagungen wurde dann der Aus⸗ bau und die beſſere Organiſation dieſer erſten Anſätze ſtudentiſcher Selbſthilfebeſtrebungen beſchloſſen. Beſonders auf den Tagungen der einzelnen Kreiſe der Deutſchen Studentenſchaft wurden gegen⸗ ſeitige Erfahrungen ausgetauſcht und für die ſpätere Entwicklung ſehr nützliche Vorarbeit geleiſtet(Stuttgart, 25. bis 27. Sebruar 1921). Als dann die wirtſchaftlichen Schwierigkeiten immer größer wurden, erkannte man, daß die Studentenſchaft ihnen allein nicht mehr gewachſen ſei, und ſo wurde im Frühjahr 1921 als Spitzen⸗ organiſation der Wirtſchaftsarbeit an den einzelnen Hochſchulen die„Wirtſchaftshilfe der Deutſchen Studenten⸗ ſchaft e. V.“ gegründet. Sie war ein ſelbſtändiges Amt der Deutſchen Studentenſchaft, das unabhängig von allen politiſchen Verfaſſungskämpfen innerhalb der Deutſchen Studentenſchaft dem einen großen Fiele diente, die großen Gefahren zu bewältigen, die der Studentenſchaft in ihrer Geſamtheit drohten. Die Form des e. V. gab Gewähr für große Unabhängigkeit. Durch die Wahl von Vertretern der Dozentenſchaft und führender Perſönlichkeiten aus dem Wirrtſchaftsleben in den Vorſtand der Wirrtſchaftshilfe wurden deren Arbeiten außerordentlich gefördert. Es war damit die ſtarke Grundlage geſchaffen, auf der ſich dann das große Werk der ſtudentiſchen Selbſthilfearbeit aufbauen konnte. Erſt ſie ermög⸗ lichte eine programmatiſch ſo wichtige Tagung, wie ſie der Vierte deutſche Studententag zu Erlangen(2. Juli 1921) bedeutete. Was hier beſchloſſen wurde, war für die Weiterentwick⸗ lung von grundlegender Bedeutung; ſchon darum ſoll auf die leitenden Gedanken dieſer Tagung kurz eingegangen werden.
Grundſätzlich ſollte zukünftig jeder Studierende, der mit nicht ausreichenden Mitteln zur Hochſchule kommt, auf den Weg der Selbſthilfe verwieſen werden. Er ſoll dazu angehalten ſein, ſich
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