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840, 139 f.
Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 193
Ich erinnere mich hier einiger Gespräche, welche ich schon vor fast drei Jahren mit einigen Herrn über denselben Gegenstand hielt. Diese meinten, ich sollte mich für die Universitätslaufbahn quali- fizieren; ich hielt ihnen entgegen, was mir mein unbestochenes Bewußtsein sagte, dessen Sprache in dieser Beziehung so bestimmt und stark ist, daßs es sich nicht übertäuben läßt. Die häufigen Wahr- nehmungen, daß sich so mancher in einen Beruf einschleicht und, hat er sich darin festgesetzt, sich selbst betört, als ob er wirklich der Mann seines Amtes sei, forderten mich schon längst zu einer unparteiischen Prüfung in dieser Hinsicht auf, zumal das akademische Lehramt mir stets so hoch und ehrwürdig erschien, daß ich der festen Ueberzeugung bin, daß hier unredliche und unreine Motive besonders stark gestraft werden, wie ich denn auch vorzüglich auf meinen Reisen oft Gelegenheit hatte, Männer zu bedauern, welche als mühselige Kärrner sich und andern zur Last waren. Indem ich auf solche Weise das Maß meiner Geisteskraft auszumitteln bestrebt bin und wirklich die Linie genau zu kennen glaube, welche ich ohne Vermessenheit nicht überschreiten darf, könnte es nur noch die Ehrsucht sein, welche mich das Wagnis bestehen hieße. Doch— Gott sei Dank!— ich habe diese, wenn auch nicht ganz, doch in den Momenten überwunden, wo ihre Einsprache die richtigen Ver- hältnisse verkehren würde.
[Oehler].
Diese Vorgänge werden auch in Gießen nicht unbekannt geblieben sein. Wenn die dortige theologische Fakultät bzw. ihr damaliger Führer, Leopold Schmid, zu einem Antrag an Oehler dennoch sich entschloß, so war ohne Zweifel Staatsrat v. Linde nicht weniger lebhaft an dem neuen Plane beteiligt.
Briefe von Prof. L. Schmid-Gießen an Prof. Ant. Oehler- Ravensburg.
1. Gießen, den 23. Juli 1843. Hochwürdiger Herr Professor! Hochgeehrtester Herr!
Der ordentliche Professor der Moral und Pastoral an hiesiger kath.-
theol. Fakultät, Kindhäußer ¹), ist jüngst gestorben und die Fakultät
1) Kindhäuser, gest. am 11. Juni 1843; vgl. oben S. 184. Theolog. Quartalschrift 1927. Heft I/II. 13


