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Die katholisch-theologischen Fakultäten zu Tübingen und Gießen (1830-1850) / von Studienrat Dr. St. Lösch, Horb a. N.
Entstehung
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Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 191

Oehler gab über seine Entschließung umgehend Nachricht. Sie lautete ablehnend. Der Brief, der Oehlers ernste, tief religiöse Gesinnung kennzeichnet und zugleich für die kom- menden Gießener Verhandlungen von besonderer Bedeutung ist, liegt im Konzeptentwurf in Oehlers Nachlaß, wobei jedoch Schlußformel und Unterschrift entgegen seiner son- stigen Gewohnheit weggelassen sind.

Prof. Anton Oehler-Ravensburg an Prof. J. E. Kuhn-Tübingen. Ravensburg, den 15. Mai 1840. Hochwürdiger, Hochgeehrtester Herr Professor!

Sie haben mich durch Ihre verehrteste Zuschrift mit einem Ver- trauen beehrt, welches mich tief rührte, und haben mich zugleich wieder auf den Standpunkt zurückversetzt, den ich für immer über- schritten glaubte; denn von neuem soll ich mich über die künftige Lebensrichtung entscheiden. Ich habe den ehrenvollen Antrag reif- lich und mit Gott erwogen und gebe vor Ihnen meine Entscheidung mit derselben vertrauensvollen Offenheit, mit welcher Sie mich er- freuten.

Wollte ich Ihnen bloß das Resultat der gewissenhaften Selbst- prüfung und den auf diese gebauten Entschluß mitteilen, so dürfte ich mich ganz kurz fassen: ich fühle mich zum akademischen Wir- ken nicht berufen und darf darum, ohne als Eindringling mich zu bezeichnen, einem äußeren Rufe keine Folge leisten dies wäre alles, was ich auf Ihren Antrag zu erwidern hätte. Allein die Liebe, mit welcher Sie auf mich Bedacht nehmen, nötigt mich, obige Ent- scheidung mehr auseinanderzusetzen und mit Ihnen namentlich über die Motive ein vertrautes Wort zu reden.

Sie sehen an der oben ausgesprochenen Entscheidung, daß ich mich rein innerlich bestimme. Die Aussichten, die Sie mir eröff- neten, sind immerhin sehr einladend. Wohl möchte für die ersten Jahre ein starker Aufwand geistiger Kraft und Ausdauer erfordert werden; indessen die Mühe wäre für den, welcher Beruf in sich

1838 Privatdozent und im Jan. 1841 ao. Prof. für Pastoraltheologie und Teilnahme an der neutest. Exegese an der kath.-theol. Fakul- tät in Tübingen, 23. Aug. 1843 zum Pfarrer in Steinberg ernannt und 28. März 1844 investiert, 1843/44 noch Fortsetzung der Vor- lesungen, 1. Mai 1861 Dekan für Wiblingen, gest. 1867; Neher ³ 61.