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Zwölf Jahre einer theologischen Facultät
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ungünſtigen Verhältniſſen, immer den Muth haben, auch dieje nigen Punkte der katholiſchen Disciplinen, die nicht⸗katholiſchen Ohren oft weniger angenehm klingen, offen vorzutragen? wird nicht auf dieſe Weiſe geſchehen, was bereits in mehreren deut⸗ ſchen Ländern, wo längere Zeit ähnliche Verhältniſſe obwalteten, geſchah, daß bei unſeren künftigen Geiſtlichen das klare katho liſche Bewußtſein, die feſte eifrige Anhänglichkeit an unſere Kirche allmälig dahinſchwinden? werden nicht tüchtigere, namhafte Gottesgelehrte einen Ruf an eine Lehranſtalt ablehnen zu müſſen glauben, mit deſſen Annahme gewiſſermaßen das Ge⸗ ſtändniß einer Bereitwilligkeit zu unwürdigen Accommodationen ausgeſprochen wäre? und wie endlich, wenn unter möglichen Umſtänden weniger wohlwollende, gegen die Katholiken weniger rechtlich geſinnte Männer an der Spitze unſerer Staatsbehörden ſtünden, als dies dermalen der Fall iſt? Gewiß, furchtbare, für das Wohl der katholiſchen Kirche höchſt verderbliche Folgen können aus jenem, nunmehr thatſächlich aufgeſtellten Grundſatze hervorgehen!

Wenn wir dies Alles bedenken, Hochwürdigſter Oberhirt, ſo können wir in treuer Liebe gegen unſere Kirche nicht umhin, Hochdenſelben mit zuverſichtlicher Offenheit unſere Beſorgniſſe zu klagen, und dabei unverholen zu erklären, daß unſer Ver⸗ trauen auf die dermalen bei uns, zur Ausbildung der katholiſchen Theologen, unſerer dereinſtigen Amtsbrüder und Mitprieſter, beſtehende Einrichtung durch das Vorgefallene weſentlich erſchüt⸗ tert iſt; und daß uns eine theologiſche Lehranſtalt, an der die wiſſenſchaftliche Wirkſamkeit der Profeſſoren ſo beſchränkt, und das Recht des Biſchofs ſo wenig anerkannt iſt, unmöglich den Bedürfniſſen der katholiſchen Kirche genügen zu können ſcheint.

Erwägen wir nun außerdem die ungemeine Reizbarkeit, die nicht nur einem großen Theile des Gießener Univerſitätsperſo⸗ nals, ſondern ſelbſt der Maſſe der dortigen Bürgerſchaft gegen jede Beeinträchtigung proteſtantiſcher Anſichten inne wohnt, ſo zwar, daß während von der einen Seite ſchon früher mannich⸗ fache, bei genauer Unterſuchung unwahr erfundene Denunciatio⸗