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Zwölf Jahre einer theologischen Facultät
Entstehung
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Erweckung dieſes Geiſtes in ihren Zuhörern Manches zu wün⸗ ſchen übrig ließ, verbeſſerte ſich zuſehends, und da die Beziehun⸗ gen zum biſchöflichen Stuhle in Mainz ſich ſpäter gleichfalls beſ⸗ ſer geſtalteten, ſo ſchien es, als ſollte ſich das Bisthum Mainz für die Zukunft Beſſeres von der katholiſch⸗theologiſchen Facul⸗ tät in Gießen verſprechen dürfen.

Doch die Hoffnungen, die man hegte, gingen nicht in Erfül lung; es traten ganz unerwartet Verhältniſſe ein, welche Kuhn's und Staudenmaier's Weggang von Gießen zur Folge hat ten, und die Facultät wurde gerade da, wo ſie am gedeihlich ſten für Kirche und Wiſſenſchaft wirken zu können ſchien, auf einmal wieder weit von dieſem Ziele zurückgeworfen.

An die Stelle von Lüft, welcher zum Oberſchulrath und Pfarrer in Darmſtadt befördert worden, war im Sommer 1835 Niffel gekommen, der mit ſehr ausgebreiteten Kenntniſſen eine große Liebe zur Kirche, Sinn für ihre Einrichtungen, Begeiſter⸗ ung für ihre Rechte verband und dabei eine nicht gewöhnliche Gabe beſaß, gleiche Geſinnung in Anderen zu wecken. Durch Riffel ſchien alſo das Element in die Facultät zu kommen, welches bisher noch etwas gemangelt hatte, und als im Februar 1837 Locherer ſtarb und Riffel die Profeſſur der Kirchenge⸗ ſchichte übernahm, ſo waren die Hauptfächer nunmehr ſo beſetzt, daß Gießen mit Recht auf ſeine katholiſch⸗theologiſche Facultät hätte ſtolz ſein können. Schade, daß Riffel mit ſeinen übri⸗ gen ausgezeichneten Eigenſchaften nicht im ſelben Maße Ruhe und Umſicht verband; es kamen Mißverhältniſſe in die Facultät, und obgleich es gelang, dieſelben beizulegen, ſie trugen dennoch dazu bei, Kuhn zur Annahme der Berufung an die Tübinger Facultät zu bewegen um Oſtern 1837.

Es iſt uns nicht möglich, im Eintreten dieſer neuen Ver⸗ hältniſſe einen bloßen Zufall zu erblicken. Nach menſchlicher Betrachtungsweiſe ſchien in Gießen Alles nach Wunſch zu gehen; die Facultät ſchien jetzt in Wiſſenſchaft und auch in kirchlicher Geſinnung allen Anforderungen entſprechen zu können, und auf einmal zerfällt dieſelbe durch Kuhn's Rückkehr nach Tübingen