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Zwölf Jahre einer theologischen Facultät
Entstehung
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von Mainz, deſſen Amtes es geweſen, gegen eine auf ſolcher Ba⸗ ſis gegründete Lehranſtalt von vornherein ſein Veto einzulegen, ſcheint ruhig zugeſehen zu haben, vielleicht weil Biſchof Burg, ſelber ein Joſephiner, an Locherer's Joſephinismus nichts An⸗ ſtößiges fand, und weil der Hermeſianismus, obgleich damals ſchon vielfach in ſeinem verderblichen Weſen erkannt und gekenn⸗ zeichnet, noch nicht von Rom verurtheilt war, oder weil Biſchof Burg ſich freiwillig aller Theilnahme an der Gründung und er⸗ ſten Beſetzung der Facultät in Gießen begab, um nicht als mitbe theiligt an der Unterdrückung des früher ſo blühenden Seminars in Mainz zu erſcheinen.

Den beiden genannten Profeſſoren wurde Dr. L üft, katholiſcher Pfarrer in Gießen, unddr. Staudenma ier zugeſellt; aber Lüft, obgleich aus Liebermann's Schule, gewann doch nicht Einfluß genug, dem kirchlichen Geiſte die nöthige Geltung zu verſchaffen, und Staudenmaier war noch lange der Mann nicht, als wel⸗ chen wir ihn jetzt verehren.

Dieſe vier Männer eröffneten im November 1830 die katho⸗ liſch⸗theologiſche Facultät zu Gießen.

Wer jemals einen Joſephiner kennen gelernt und ſein Wirken näher beobachtet hat, kann ſich auch von der Wirkſamkeit Loche⸗ rer's die rechte Vorſtellung machen. Einer iſt wie der Andere; ſie ſcheinen nichts vergeſſen und nichts mehr lernen zu können. Das, was ſie beſchäftigt, iſt die in ihrer Jugend ihnen beige⸗ brachte Furcht vor den Uebergriffen des apoſtoliſchen Stuhles, die, wie ein Geſpenſt, ſie überall verfolgt und ihnen nirgends Ruhe läßt. Die ganze Kirchengeſchichte iſt darum dieſen Herren nur eine fortlaufende Reihe päpſtlicher Anmaßungen; ihr Räſonne ment iſt eine beſtändige Klage über den durch Roms Verſchulden herbeigeführten Verfall der Kirche und kirchlichen Anſtalten, und dieſes in größter Langeweile fortgeſetzte Lamento wird gewürzt durch Erzählung von Anekdoten über kirchliche Perſonen, die nicht immer gerade ſehr delikat ausgewählt ſind. So waren auch Locherer's Vorleſungen beſchaffen und darum gewiß nicht geeignet, in den jungen Theologen Liebe und Begeiſterung für