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wo der Antoniterorden entſtand, Vienne in der Dauphinsé, faſt be⸗ nachbart. Daß ein Zuſammenhang zwiſchen beiden Ereigniſſen be⸗ ſteht, iſt wahrſcheinlich, ſei es nun, daß Gaſton die Verwendung des Tau gegen die Peſt als lebendigen Volksbrauch ſeiner Lands⸗ leute kannte, ſei es, daß ihm die Stelle des Gregor von Tours vor⸗ ſchwebte— auch dort iſt mit dem Zeichen die Erzählung von einer Traumerſcheinung verbunden—, oder daß Beides, Volksbrauch und Literaturkenntnis, zuſammen auf ihn einwirkte, um ihn zur Wahl gerade dieſes Abzeichens zu beſtimmen. Gewählt wurde es offen⸗ bar in der Abſicht, die Brüder bei der Krankenpflege gegen die An⸗ fälle der Peſt beſchützen, d. h. die volkstümliche Vorſtellung von der pro⸗ phylaktiſchen Kraft dieſes Zeichens wurde beibehalten und kanoniſiert.
Allerdings, ob auch die blaue Farbe älter iſt als das 11. Jahr⸗ hundert, erfahren wir nicht. Der volkstümlichen Verwendung iſt ſie fremd. Der deutſche Volksbrauch nimmt ſchwarz¹). Wenn man in Syrien und Paläſtina die Gebäude ſchützen will, wird das Tau mit Blut— alſo rot— an die Front gemalt; ſ. die Abbildung 14 bei S. J. Curtiss, Urſemitiſche Religion, zu S. 216 ²). Die blaue Farbe ſcheint alſo eine Erfindung Gaſtons zu ſein. Warum er ſie wählte, können wir nur raten. Man könnte daran denken, daß im Alten Teſtament gelegentlich blaue Farbe für rituelle Kleidungs⸗ ſtücke vorgeſchrieben wird, wie denn auch heute noch paläſtinenſiſche Juden die blaue Farbe zum Bannen von Dämonen benutzen (A. Jirku, Die Dämonen und ihre Abwehr im Alten Teſtament, Leipzig 1912 S. 86): aber an jenen Stellen muß man den prophy⸗ laktiſchen Zweck der Farbe erſt mühſam erſchließen. Wahrſcheinlicher iſt, daß dies Tau von Gaſton die Farbe des Himmels erhielt, weil es ſeinen Träger mit himmliſcher Hilfe ſchützen ſollte.
Weiter in der Frage nach dem Urſprung des Tauzeichens helfen uns die Stellen des Alten Teſtaments, die auf jenen alten Peſt⸗ blättern erwähnt werden ³). Auf einem ſolchen lieſt man: Durch
¹) M. Andree⸗Eysn S. 63.
²) Vgl. dort 223— 226. Im orientaliſchen Volksbrauch gibt es alſo dieſe Sitte auch, und es wird hier die apotropäiſche Kraft des Zeichens durch die des Blutes verſtärkt. Küchler, Hebr. Volkskunde S. 54 kenne ich nur aus einem Zitat.
²) Ich behandle nur die entſcheidende. In Numeri 21 iſt bei der Erhöhung der Schlange auf einem Zeichen, um Schlangenbiſſe zu heilen, urſprünglich die Form dieſes Zeichens nicht fixiert; ſ. M. Andree⸗Eysn S. 71. Heinrich von Hesler(ſ. oben S. 53) ſchreibt auch dem Blutzeichen des Paſſah die Tau⸗ form zu; aber davon ſteht in der Bibel(Exodus 12, 22) nichts.


