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Verwendung hat Marie Andree⸗Eysn gegeben(Wolkskundliches aus dem bayriſch-⸗öſterreichiſchen Alpengebiet, Braunſchweig 1910, S. 63— 72: Das Tau und die Peſtamulette), deren Aufſatz ich Ver⸗ ſchiedenes entnehme. Seit dem 13. Jahrhundert, und zum Teil bis in unſere Zeit hinein, wird jenes Zeichen als wirkſames Amu⸗ let betrachtet, das namentlich gegen die Peſt hilft. Man malt es an Hauswände und Stubentüren ¹), oder man trägt es als Anhänger aus Metall; das Muſeum in Kopenhagen beſitzt einen Anhänger aus Gold, der in einer Rundung das Taukreuz zeigt, genau wie das übliche Emblem der Antoniter. Apotropäiſche Bedeutung hat dies Symbol wohl auch auf den eſthniſchen Schmuckſtücken des 16. und 17. Jahrhunderts, die es öfter aufweiſen(Ausſtellungskatalog Riga 1896, Taf. XXX Fig. 10, 19, 20, 26 und Text S. LXXXIIIf.; freundliche Mitteilung von Herrn H. Kemke in Königsberg). Oder man hat das Tau auf Papier gemalt und mit kräftigen Sprüchen umrahmt, die gleichfalls beſonders gegen Peſt ſchützen. Aber auch allgemein prophylaktiſche Kraft beſaß dies Zeichen; H. Hepding beſchreibt mir brieflich eine Medaille des 18. Jahrhunderts: beide Seiten zeigen das Tau, auf dem Avers mit der Umſchrift TETRA⸗ GRAMMATON, auf dem Revers mit ANNANISAPTA DEI, ab⸗ gebildet in einem Büchlein der Gießener Univerſitätsbibliothek Fernerer Verfolg derer Nachrichten Von der zu Ausgang des 1715ten Jahrs in der Heil. Chriſtnacht vorgenommenen ſchändlichen Conjuration oder Beſchwerung des Satans.. zu Jena'. Da diente das Zeichen, den Zauberer vor den unſauberen Geiſtern zu behüten, die ſeine Beſchwörung entfeſſelte.
Es läge nahe anzunehmen, daß alle dieſe Verwendungen des Tau ausgegangen ſeien von der Tracht der Antoniter ²), die als Krankenpfleger gleichfalls mit Dämonen, nämlich dem Krankheits⸗
¹) Bereits Heinrich von Hesler ſpricht in ſeinem Evangelium Nicodemi (um 1300, ſ. K. Helm, Paul und Braunes Beiträge 24, 84 ff.; herausgegeben von demſelben in der 224. Publikation des lit. Vereins in Stuttgart 1902, mir nachgewieſen von W. Zieſemer in Königsberg) V. 1770 vom dreiarmigen Kreuz Chriſti: der menschheit zu glucke,/ als Moyses der wissage/.. bedutte den juden vore/ an den ubertorn enpore,/ da er sie tau' schriben liez/ als in got selben tun hiez/ mit des lammes blute/ iren liben zu hute/ vor des slanden engeles zorne.
²¹) Auf die naheliegende Deutung als Hammer des Thor gehe ich nicht ein, da ſich unten der orientaliſche Urſprung des Tau ergeben wird. Doch ſoll nicht geleugnet werden, daß es bei den germaniſchen Völkern deshalb ſo beliebt wurde, weil man dabei zugleich an den Thorshammer dachte.


