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Kreuz aus Silber, blau emaillliert, pflegten, wie er ſagt, die Antoniter⸗ herren auf der Bruſt zu tragen. Arnoldi gibt ſeine Abbildung nach einem Exemplar, das in den Trümmern von Grünberg ge⸗ funden und in den Beſitz der Univerſität Gießen gekommen war. Deutlich haben wir hier das Prototyp des Univerſitätswappens vor uns.
Das Antoniterkreuz begegnet bereits in der Gründungslegende des Ordens ¹). Ende des elften Jahrhunderts wütete in Frankreich eine Seuche, der die meiſten Befallenen erlagen. Auch Guerin, der Sohn eines Edelmanns mit Namen Gaſton, erkrankte. Der Vater betete vor den Reliquien des Heiligen Antonius Eremita, die ſich zu St. Didier de la Mothe in Vienne befanden. Der Heilige er⸗ hörte das Gebet des Vaters und heilte den Kranken. Dann träumte Gaſton, Antonius erſcheine ihm und lege ihm die Gründung einer Bruderſchaft zu ſeinem Dienſt nahe. Zugleich befahl er, daß alle, die beitreten wollten, ſich mit einem himmelblauen Kreuz in Tau⸗ form bezeichneten. Sollten auch nicht alle Züge dieſer Legende*) hiſtoriſch ſein, ſo ſtammt doch ſicher die Nachricht vom Anlegen des blauen Kreuzes, dieſes wichtigſten Erkennungszeichens, aus der Zeit der Gründung. Man entnahm es der Legende des Schutzheiligen. Hatte doch deſſen Biograph Athanaſios des öfteren erzählt, wie Antonius das Zeichen des Kreuzes geprieſen hatte als beſtes Mittel gegen die Dämonen: wo dieſes iſt, da iſt Zauberei kraftlos, Gift wirkungslos'(Migne, Patrologia graeca 26 S. 951 c).
Die Antoniter wurden als Bruderſchaft 1095 von Papſt Urban II. beſtätigt. Später iſt aus dieſer Genoſſenſchaft, die ihre Hauptaufgabe in der Krankenpflege ſah, ein Orden hervorgegangen, der weite Verbreitung gefunden und ſein blaues Kreuz bis nach Grünberg in Heſſen getragen hat.
Das Tau, mit dem dieſe Antoniterherren ſich zeichneten, iſt der Volkskunde wohlbekannt. Wertvolle Zuſammenſtellungen über ſeine
¹) Von der einſchlägigen Literatur(ſ. a. Herzog⸗Hauck Realenc. für prot. Theol. und Kirche 1* 606 f.) waren mir nur zugänglich: R. P. Natalis Alexandri Historia ecclesiastica veteris novique testamenti, Paris 1699, Bd. VI S. 593 ff.; Ph. Bonani, Verzeichnis der geiſtlichen Ordensperſonen in der ſtreitenden Kirchen I 1711 S. 1 ff.; Hipp. Helyot, Ausf. Geſchichte aller geiſtlichen und weltlichen Kloſter⸗ und Ritterorden, aus dem Franzöſiſchen überſ., II Leipz. 1753 S. 128 ff.: Von den Religioſen des Ordens des H. An⸗ tonius von Viennois.
²) Über weitere Legenden, die den H. Antonius mit dem Tau in Ver⸗ bindung bringen, ſ. O. Zöckler, Das Kreuz Chriſti, Gütersloh 1875 S. 76.
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