erlittene Unbill an den jetzigen Pennälern ſchadlos zu halten. Der Pennalismus hatte namentlich zu einer brutalen wirt⸗ ösſtlichen Ausbeutung der jüngeren Studenteſchüft ge⸗ führt. Beſonders ſchlimm waren die Hauspennäler daran, d. h. die Söhne ortsangehöriger Eltern. Da die bisher an⸗ gewandte Milde nicht vermocht hatte, etwas dagegen auszu⸗ richten, ſo ging man nunmehr mit ſtrengen Strafen vor, und da ſich bald andre Univerſitäten, insbeſondere Leipzig und Jena ffe,loſlen. ſo gelang es, trotz des Widerſtands, den nicht nur die Schoriſten, ſondern merkwürdigerweiſe auch die Pennäler entgegenſetzten, wenigſtens die gröbſten Auswüchſe
des Pennalismus zu jeninene wenn er auch der äuferen
Form nach noch lange fortbeſtand; die Abſchaffung der De⸗ poſition erfolgte erſt etwa 50 Jahre ſpäter.
Die nächſten Jahrzehnte bieten nicht viel bemerkenswertes. Ende der achtziger Jahre niſtete ſich der Pietismus ein, der nach mehrjährigen leidenſchaftlichen Kämpfen mit dem Orthodoxismus einen unumſchränkten Sieg erfocht.
Bei der erſten Jahrhundertfeier am 21. Oktober 1707 zählte
man 22 Profeſſoren und 170 Studenten. Auch die Wieder⸗
erſtehung der Univerſität im Jahre 1650 wurde 100 Jahre ſpäter,
am 21. Mai 1750, mit einer Erinnerungsfeier begangen. Um
dieſelbe Zeit etwa war ein langwieriger Prozeß zwiſchen den beiden Univerſitäten Gießen und Marburg im Gang; es han⸗ delte ſich dabei um den Rückkauf einiger im Kaſſeler Gebiet gelegenen Vogteien durch Marburg. Nach mehr als zwan⸗ zigjährigem Streit kam es zum Vergleich. Die wiſſenſchaft⸗ liche Tätigkeit der Univerſität ging inzwiſchen ihren ſtillen Gang ruhig weiter, recht und ſchlecht, wie bei der Mehrzahl der deutſchen Hochſchulen. Die Ereigniſſe des ſiebenjährigen Krieges brachten ſchwere Leiden über Gießen und Oberheſſen. Vier Jahre lang mußte der Univerſitätsbau, ſtatt den Wiſſenſchaften zu dienen, als Lazarett herhalten. Die Studentenſchaft, der rechten Ord⸗ nung entwöhnt, ſank in ihrer Geſittung immer tiefer und er⸗ ging ſich in Roheiten aller Art. Insbeſondere gab es ewige Raufhändel mit dem Militär, das natürlich an Feinheit der Sitten den Studenten nichts nachgab., Wurden dann dieſe
behandelt, ſo kam es wohl ab und zu zu einem Studen⸗ tenauszug, ſo zum erſten Mal im Jahre 1776 nach Kleinlinden, wobei es viel Ueberredung und Ver⸗ ſprechungen koſtete, die Studentenſchaft, die ja für die kleine Stadt eine große wirtſchaftliche Bedeutung hatte, ur Rückkehr in den Muſenſitz zu bewegen. Im Jahre 1777 hielt man es für nötig, eine fünfte Fakultät, die öko⸗ nomiſche, einzurichten, die die Fächer der Staats⸗, Land⸗ und Forſtwirtſchaft, ſowie der Technologie umfaßte; ſie hielt ſich aber nur acht Jahre; ihre Fächer wurden alsdann der philo ſophiſchen Fakultät zugeteilt..—
Auch die auf die franzöſiſche Revolution fol⸗
von den Behörden ſcharf oder nach ihrer Meinung ungerecht


