bieten.
Während dieſer Vorbereitungen entſtand für Gießen, das bisher allgemein als Sitz der zweiten heſſiſchen Hochſchule betrachtet wurde, plötzlich große Gefahr, ü rgingen zu werden, dadurch da die Hauptſtadt von Katzenelnbogen Darmſtadt Anſprüche auf die Zuweiſung der neuen Uni⸗ verſität geltend machte. Das Zünglein der Wage ſchwankte lange hin und her. Je höher die Flut der Eingaben und Be⸗ richte anſchwoll, die von den beiden konkurrierenden Städten einliefen und von Gutachtern eingefordert wurden, deſi weni⸗ ger konnte ſich Georg entſchließen. Endlich zu Ende März
es Jahres 1650 erſolgte die Entſcheidung, und zwar zu Gu ülken Gießens. Ausſchlaggebend waren für Georg einmal religiöſe Erwägungen: er mochte fürchten, die ober⸗ heſſiſchen Studenten lönnten ſich mah dem calviniſtiſchen Marburg verziehen; ſodann die Tatſache, daß eben Gießen zuvor bereits die Univerſität gehabt hatte; endlich die Befürch⸗ tung, es möchte die rechtsgültige Uebertragung der für Gießen verliehenen kaiſerlichen Prwilegien auf eine andere Stadt nur mit hohen Opfern zu erkaufen ſein. So geſchah es denn am 5. Mai 1650, am puutag Jubilate, daß die Ludoviciana wieder feierlich, in Anweſenheit zweier Söhne Georgs, die mit der Vertretung des Landgrafen beauftragt waren, eröffnet werden konnte. Der Kanzler Sinold verlas die von Kaiſer Rudolf II. ausgefertigten Privilegien und ernannte dann den Theologen Feurborn, den letzten noch lebenden Pro⸗ feſſor der ehemaligen Gießener Univerſität, zum erſten Rek⸗ tor der wiedererſtandenen. Am folgenden Tog fand eine Anzahl von Promotionen ſtatt. Die Zahl d Profeſſoren betrug freilich zu Anfang nur elf; aber Georg war trotz des drückenden Geldmnangfls mit Eifer bemüht, die freien Stellen u beſetzen; in einigen Jahren nach der Wiedereröffnung war as Ziel erreicht; Gießen war wieder in der Lage, den An⸗ forderungen, die man damals an eine Univerſität ſtellen konnte, nach allen Seiten hin gerecht zu werden.
Die erſte Tat der wieder cröffneten Hochſchule war in der
Mitte der fünfziger Iahre die Unterdrückung des Penna⸗ lismus, auf deren Notwendigkeit ſchon der erſte neue Rektor Feurborn in ſeiner Eröffnungsrede hingewieſen hatte. Der ſogenannte Pennalismus hatte ſich etwa ſeit dem Anfang des 17. Jahrhunderts in Anlehnung an die Bräuche,
ten wurden faſt u Sklaven der„Schoriſten“, d. i. der älteren Studenten herabgedrückt, bis ſie,
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Zukunft vermochte Georg bei allem guten Willen nicht zu


