trug bei der Gründung etwa 200, das Pädagogium wurde von 70 Schülern beſucht.
Der Sitz der neuen Hochſchule, die Stadt Gießen, war damals ein dürftiges kleines Landſtädtchen, mit Marburg gar⸗ nicht zu vergleichen. Die engen und winkligen Gaſſen, von niederen Lahmhäuſern unnePrtt gruppierten ſich um die Pankratiuskirche, deren viereckiger Turm noch heute ſteht und nun als Glockenturm der Stadtkirche dient. Von beſſeren Ge⸗ bäuden gab es ſonſt nur noch das alte Schloß mit dem run⸗ den Bergfried, dem ſogenannten Heidenturm, das aus dem 14. Jahrhundert ſtammt, das neue Schloß, von Philipp dem Großmütigen 1533 in zierlichem Fachwerkbau errichtet, das Rathaus, etwa aus derſelben Zeit, endlich das mächtige Zeug⸗ haus, das Ludwig IV. 1585 hatte erbauen und mit Kriegs⸗ vorrat jeder Art wohl hatte ausrüſten laſſen. Das Ganze war von Wällen umgeben, die von hohen Tortürmen überragt wur⸗ den. Dieſer Umſtand, daß Gießen ſtark befeſtigt war, war ſo ziemlich das einzige, was es vor den andern Landſtädtchen Oberheſſens voraus hatte. Auch die Umgegend hatte wenig Einladendes; die weite Niederung war mit Sümpfen bedeckt. Ihre Ausdünſtungen und die unbeſchreibliche Unſauberkeit, die zu damaliger Zeit in allen Kleinſtädten herrſchte, machten Gießen überaus ungeſund, ſo daß es oft genug durch ver⸗ heerende Seuchen zu leiden hatte. Die Einwohnerſchaft ſetzte ſich aus Beamten, der Beſatzung und der Bürgerſchaft zuſam⸗ men, die wieder aus Ackerbauern und Handwerkern beſtand und hauptſächlich von Schafzucht und Wollweberei lebte.
Der Unterricht an der neuen Hochſchule wurde zunächſt im Rathaus am Markt erteilt, deſſen Räume von der Stadt zur Verfügung geſtellt waren. Da aber Ludwig das„Gymnasium illustre“ von Anfang an nur als Vorläufer einer Univerſität im Auge hatte, beſchäftigte er ſich alsbald mit Plänen für die Errichtung eines eigenen Univerſitätsgebäudes. Schon im Sommer 1607 ging man an deſſen Ausführung. Inzwiſchen waren bereits die Schritte getan worden, die für die Erheb⸗ ung des Gymnaſiums zu einer Univerſität notwendig waren: der Landgraf hatle an den Kaiſer Rudolf II. das Lrſchen geſtellt, ſeiner Hochſchule das Recht akademiſcher Gradever⸗ leihung zuzuſprechen. Foſt zwei Jahre dauerte es, b's die Ausfertigung der Univerſitätsprivilegien erfolgte, und es koſtete nicht wenig Briete und Reiſen, Ränke und Geldopfer— denn ohne Beſtechung war bei der kaiſerlichen Kanzlei nichts
zu erreichen—, bis der Landgraf ſeinen Lieblingswunſch, die Errichtung der Universitas Ludoviciana, erfüllt ſah. Endlich, am 19. Mai 1607 wurde das Privilegium un⸗ terſchrieben. Soſort ging man daran, die Vorbereitungen für die feierliche Einwe hung der neuen Univerſität zu treffen.
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Sie erfolgte am 7. Oktober des Jahres in Anweſenheit des
Landgraſ Kanzler Strupp die lateinlſche. A
en mit außerordentlichem Gepränge. Wieder hielt der
nſprache, verkündete das


