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der Nähe von Fr ankfurt gelegen war, wo
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nicht anerkenne oder zu ändern trachte. Moritz erklärte ſich
durch das Teſtament zufrieden geſtellt, Ludwig focht es in mehreren Punlten an; ſo war der Anſtoß zu dem Marbur⸗ ger Erbſtreit gegeben, den die Kaſſeler und die Darm⸗
ſtädter Linie viele Jahre mit einander führten, bis er im Weſtfäliſchen Frieden beigelegt wurde.
Schon Moritz' Vater war der calviniſtiſchen Lehre zuge⸗ tan, in noch höherem Grade Moritz ſelbſt. Bereits vor der 9
Erbteilung
atte er Calvins Lehre in ſeinem, dem Kaſſeler
Land Eingang gewährt; alsbald nach Ludwigs Tod ſuchte er
ſie auch in den Gebieten einzuführen, dee ihm aus Ludwigs Nachlaß zugefallen waren. Die Marburger Profeſſoren, die
dem lutheriſchen Glauben die Treue hielten, wurden im Juli heriſch J
1605 ihres Amtes entſetzt; ein Aufruhr, der ſich in Marburg erhob— die überzeugt lutheriſchen Einwohner prügelten die
calviniſtiſchen Prediger durch und warfen ſie aus ihren Kir⸗
chen hinaus— wurde gewaltſam unterdrückt. Dieſe Maßnah⸗ men gaben Moritz' Veiter Ludwig den Anlaß, einmal wegen Verletzung der Teſtamentsbeſtimmungen Anſpruch auf die ge⸗ ſamte Erbſchaft ſeines Oheims zu erheben, ſodann aber die Gründung einer zweiten heſſiſchen Univerſität ins Auge zu faſſen, die im Gegenſatz zu Marburg den lutheriſchen Glau⸗ ben augsburgiſcher Konfeſſion hochhallen ſollte. Man ſchwankte
zunächſt bezüglich ihres Sitzes zwiſchen Darmſtadt, Gießen
und Alsfeld. Entſcheidend für Oberheſſen war die Erwägung,
es könnten, würde Darmſtadt gewählt, die oberheſſiſchen Stu⸗
denten die näher liegenden Hochſ
chulen, das katholiſche Fulda
oder das calviniſtiſche Herborn aufſuchen, entſcheidend für
Gießen der Umſtand, daß es an der großen Poſiſttaße und in her man manch einen vermögenden Studenten herüberzuziehen hoffen durfte.
Der erſte Schritt zur Gründung der Gießener Univerſität
war die Errichtung eines„Gymnasium illustre“ daſelbſt,
die noch im Jahr 1605 erfolgte. Ihm war ein„Paedagogium
trilingue“ angegliedert. Zum erſten Rektor der neuen Hoch⸗
ſchule wurde der Profeſſor der Theologie Johann Winckel⸗
mannernannt, der mit andern bekannten und beliebten Pro⸗
feſſoren— ſo Balthaſar Mentzer, dem Theologen und Gothofrodus Antonii, dem Juriſten— von der Marburger Univerſität her nach Gießen übergeſiedelt war, nicht wenige
der Marburger Studenten nach ſich ziehend. Die feierl che
Eröffnung fand am 10. Otkober 1605 ſtatt; der Schau⸗ platz des Feſtakts war das Nathaus; vorher war ein Gottes⸗
dienſt in der Stadtkirche abgehalten worden. Als Vertreter des Landgrafen, der gerade auf Reiſen war, fungierte der Kanz⸗
ler Strupp, der nach einer feierlichen Anſprache an die Feſtverſammlung Winckelmann als Rektor proklamierte und mit der Wahrung des Inſiegels, der Schlüſſel, der Statuten
und der Privilegien betraute. Die Zahl der Studenten. he⸗


