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Die Gründung und Geschichte der Universität Gießen : zu ihrer dritten Jahrhundertfeier / von Prof. Dr. Ch. Bartholomae
(Gießen)
Entstehung
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Jeuilleton..

Die Gründung und Geſchichte der Univerſität Gießen.

Zu ihrer dritten Jahrhundertfeier. . Von Prof. Dr. Ch. Vartholomae(Gießen).

Im Jahre 1527 war von dem Landgrafen Philipp dem Großmütigen die erſte proteſtantiſche Univerſität in Mar⸗ burg an der Lahn gegründet worden, die dazu beſtimmt war, zugleich dem neuen Glauben und dem Humanismus Rück⸗ halt und Verbreitung zu gewähren. Bei ſeinem Tode 1567 teilte Philipp ſein Land unter ſeine vier Söhne: Wilhelm (den Weiſen), Philipp, Georg und Ludwig(IV.); aber die Hochſchule ſollte für die geſamten heſſiſchen Lande gemeinſam ſein; und dieſe Gemeinſamkeit wurde in der Tat durch einen im Jahre 1568 geſchloſſenen Brüdervertrag ausdrücklich an⸗ erkannt. Die Verwaltung der Univerſität erfolgte entſprechend einer Teſtamentsbeſtimmung Ph lipps gemeinſam durch Wil⸗ helm und Ludwig.

Der zweite der Brüder, Philipp von Rheinfels, ſtarb 1583 kinderlos; ſein Erbe wurde geteilt. Der älteſte, Wilhelm von Kaſſel, ſtarb 1592, ihm folgte Moritz(der Gelehrte); der dritte, Georg von Darmſtadt, ſtarb 1596, ſein Nach⸗ folger war Ludwig(V.). Der vierte Bruder, Ludwig(IV.) von Marburg führte ſeit 1592 gemäß einem Vertrag mit Mo⸗ rit den Vorſitz in allen die Univerſität angehenden Angelegen⸗ heiten; Ludwig(N.) von Darmſtadt war an ihrer Verwaltung nicht beteiligt. Der Umſtand aber, daß Ludmig IV., der ja die Stadt Marburg in Beſitz hatte, ohne Leibeserben und kränklich war, hatte ſchon geraume Zeit vor ſeinem Tod zur Erörterung der Frage geführt, wie es dereinſt mit der Uni⸗ verſität gehalten werden ſolle. Und ſchon damals war, und zwar von Ludwigs V. Seite, der Vorſchlag gemacht worden, eine zweite heſſiſche Univerſität zu errichten; er wurde aber ebenſowohl von dem Vetter Moritz als von dem Oheim Ludwig abgelehnt, und es kam zu Anfang 1604 zwi⸗ ſchen den beiden ein Vertrag zu ſtande, demgemäß die Uni⸗ eiſilät Marburg ſofort nach Ludwigs Tod an Moritz fallen ſolle.

Im Oktober desſelben Jahres ſtarb Ludwig IV. Sein Teſtament ſchrieb die Hälfte den beiden Neffen zu; wei⸗ ter verfügte es, es ſolle der ſeiner Erben oder ihrer Rechts⸗ nachfolger des Erbes verluſtig gehen, der der Lehre der augs⸗ burgiſchen Konfeſſion entſage oder in ſeinem Land abſchaffen walle, ingleichen der Erhe. der die Teſtamentsbeſtimmungen