Druckschrift 
Goethe's Vater als Giessener Doktorand / von Dr. Gustav Nick
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

Senckenberg und mit der Hervorhebung der Widersprüche, in die sich dieser nach seiner Ansicht verwickelt hatte.

Ein seltenes Schicksal wäre hiernach dem jetzt in Giessen befindlichen Raumburger'schen Exemplar beschieden gewesen. In Giessen gedruckt. gelangte es nach Frankfurt und dort 1745 durch Erbschaft an H. Ch. Senckenberg, als Bestandteil von dessen Bibliothek es in demselben Jahre mit deren Besitzer nach Wien übersiedelte. Mit dem Sohn und Erben Heinrich Christians, Renatus Kaxl, Kehrte es dann nach Giessen zurück, um hier am Orte seiner Entstehung in der mit der Universitäts-Bibliothek vereinigten Senckenbergiana endlich eine bleibende Stätte zu finden.

III.

Nach der bereits oben(S. 5) erwähnten Angabe des Herrn Prof. Frank lässt, sich unmittelbar aus den Akten nicht entnehmen, in welcher Form die Pr omotion Goethe's schliesslich erfolgt ist. Auch wenn die Abstimmung der Professoren für den von den Doktoranden Berghoff und Goethe gestellten Antrag ausgefallen wäre, hätte ein neuer Dispens bei dem Landgrafen beantragt werden müssen, der in kurzer Frist nicht zu beschaffen war. Die Promotion hat aber am 30. Dezember 1738 in duditorio solemni stattgefunden. Es sei daher anzunehmen, dass die Kandidaten sich schliesslich doch für den kostspieligen, prunkvollen Akt ent- schieden hätten.

Dieser an sich ansprechenden Vermutung steht der gedruckte Bericht entgegen, der eine ausführliche Schilderung des ganzen Promotions- aktes enthält. Schon das 13. Stück des oben angeführten Juristischen Bücher-Saals hatte unter der Rubrik:Academische Neuigkeiten, S. 460, die kurze Notiz gebracht: Gießen. Im Monath Octobr. liefferte Herr Johann Caſpar Göthe, um die Vorrechte und Vortheile eines Rechtsgelehrten zu er- langen, eine Academiſche Abhandlung de adilione haereditatis, von 1 Alph. 1 Bogen. Der Herr Verfaſſer hat ſeine ungemeine Fertigkeit, welche er ſich in denen Römifchen und Peutfchen Geſetzen, befonders unter der Anführung derer berühmteſten Männer auf unſerer hohen Schule erworben hat, in dieſer ſchönen Abhandlung mit denen überzeugenſten Bew eißthümern beſtärcket.

Hierauf folgt im 14. Stück, S. 564 568, der Hauptbericht, den wir hier zum Abdruck bringen, weil er uns den Promotionsakt, wie er sich vor nunmehr 160 Jahren auf unserer Landesuniversität vollzogen hat, in anschaulicher Schilde- rung vor Augen führt.

Folgende unter dem dato den 6ten Jenner uns überfendete Nachricht, find wir, unſerm Bücher-Saale wörtlich einzuver- leiben, erfuchet worden.

Nachdem am verwichenen 18 den Dec. Herr Johann Caſpar Gôthe von Franckfurth am Mayn, ſeine Inaugural-Diſfertation, welche den Titul führet: Plecta de aditione haereditatis ex iure Romano é batrio illufirata, und den Dienſtag darauf, als den 23 ften eiusd. Herr Juftus Eberhard Berghoff von Osnabrück, ebenfalls ſeine Diſfertat. inaugural. ſo die Auffſchrifft: Promulſis de Alodiis Illuſtrium S. R. Imup. führet, öffentlich absque Prgeſidibus rühmlichſt vertheydiget hatten; wurde beyden gründlich-gelehrten und würdigen Candidaten nach geendigten gewohnlichen Erxaminibus bereits gedachten 23 ften die Licenlia in Confiſtorio, und den 30 ften eiusd. der Doctor-luth von dem Herrn D. Kayfer,